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Straßenbahn Chancen für Tram steigen

Die Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) stimmen die Untersuchungsergebnisse optimistisch.

16.06.2012 22:57
Gaby Buschlinger
Die erste Straßenbahn-Trasse in Wiesbaden soll überwiegend mit Rasen bepflanzte Gleisbetten bekommen. Foto: Rolf Oeser

Der Optimismus von Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) hinsichtlich des Baus einer Straßenbahn quer durch die Stadt von Klarenthal/Kohlheck über den Hauptbahnhof bis in die Hasengartenstraße ist gestiegen. „Die Ergebnisse der Untersuchungen der Gutachter übertreffen meine Erwartungen vom Dezember 2011“, jubelt Möricke und wagt die Prognose: „Damit besteht die Chance, dass Wiesbaden und die Region ein neues, hochattraktives Verkehrsmittel bekommen.“

Die Ingenieursgesellschaft Schüßler-Plan, die schon die Gutachten für die Stadtbahn vor elf Jahren erstellt hatte, hat frühere Berechnungen von sich und dem Ingenieurbüro PTV nochmals vertieft und alle Zahlen aktualisiert, sagt Möricke. Erneut empfehlen die Experten, dass Wiesbaden sich zunächst auf diese innerstädtische und stark von Bussen befahrene Trasse konzentrieren solle.

Damit wären überwiegend Bezirke mit der höchsten Einwohner- und Arbeitsplatzdichte an die Bahn angeschlossen, sagt Möricke. Die Experten erwarten, dass fast 11000 Menschen pro Werktag die Bahn nutzen würden, 8000 von ihnen würden dafür das Auto stehen lassen. „Das entspricht einer Vermeidung von insgesamt 19 Millionen Pkw-Kilometern und fast vier Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr“, so Möricke.

Die meisten Straßenbahnnutzer erwarten die Gutachter im Abschnitt zwischen City und Hauptbahnhof, nämlich 20000 Fahrgäste täglich. Weitere 20000 Fahrgäste würden die verbleibenden Buslinien nutzen.

Mit der ersten Straßenbahn-Trasse, auf der elf Fahrzeuge im Einsatz sein müssten, könnten ein Viertel der jährlich gefahrenen Buskilometer und damit 20 Busse eingespart werden. Damit gleichen sich laut Möricke die Bahn-Betriebskosten durch Einsparungen im Busnetz aus.

Auch bei der Finanzierung dieses Mammutprojekts steigt bei Möricke der Optimismus. Die Nutzen-Kosten-Bewertung liege laut Gutachtern über dem für eine Förderung notwendigen Mindestwert. Mit bis zu 85 Prozent könnten Bund und Land also den Bau des Fahrtwegs und des Betriebshofs fördern. Im Februar sind Möricke zufolge bereits Vertreter aus dem Bundes- und dem Landesministerium die Trasse mit dem Bus abgefahren, um sich ein Bild von der Topographie und den Gegebenheiten zu machen. Am 20. Juni kommen die Ministeriumsmitarbeiter erneut nach Wiesbaden, diesmal, um die aktualisierte Kosten-Nutzen-Analyse zu prüfen.

Die Verkehrsdezernentin ist äußerst zuversichtlich, dass die Zahlen die Ministerien überzeugen. Um keine Zeit zu verlieren, soll das Stadtparlament schon nach der Sommerpause einen Grundsatzbeschluss für das Schienen-Projekt fällen. Dann will die Dezernentin es „noch in diesem Jahr für das Fördermittelprogramm anmelden und die weiterführenden Planungsleistungen vergeben“. 2015 könne der Bau der Trasse beginnen.

Die Große Koalition hatte vor einem Jahr die Stadtbahn-Pläne wieder aktiviert. Möglich wurde dies, weil die FDP als kategorischer Schienen-Verdammer nun auf der Oppositionsbank sitzt.

Vor elf Jahren hatten die Liberalen ihre Zusammenarbeit mit der CDU von dem Stopp des Schienen-Projekts abhängig gemacht und die Unions-Politiker hatten nachgegeben. Und unter Jamaika wurde dank der FDP selbst der City-Link, eine Schiene nur vom Hauptbahnhof zum Rathaus, abgelehnt. Die Klarenthaler selbst hingegen lehnen Schienen vor ihrer Haustür nach wie vor ab. Nach Kastel, Bierstadt und Schierstein kämen sie prima mit dem Bus. Und die Bushaltestellen lägen auch dichter beieinander. Die erste Trasse hätte auf den rund acht Kilometern 18 Haltestellen.

Die Grünen und die Bürgerliste fordern eine Anbindung an das Umland. Die Kurzstrecke sei „zu kurz gegriffen“, sagte Bürgerlisten-Fraktionschef Michael von Poser. „Von Taunusstein bis nach Mainz müsste es gehen.“ Immerhin könne dank moderner Technik zumindest in der Innenstadt auf die Oberleitungen verzichtet werden, so der stets aufs Stadtbild bedachte von Poser.

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