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„Stiefkind von Hofheim“

Hunderte Wallauer protestieren gegen den Abriss der Ländcheshalle

Fühlen sich benachteiligt: Wallauer Bürger. Foto: Martin Weis

In Wallau kracht’s. Mit Trommeln, Trillerpfeifen und einer ganzen Blaskapelle haben die Bürger am Wochenende bei einem Protestmarsch ihrem Anliegen Gehör verschafft und dem Ärger Luft gemacht: „Ich bin stinksauer“, sagt Antje Hein, „wir Wallauer werden immer von Hofheim benachteiligt und hingehalten“, und dann schlägt die 34-jährige Mutter wieder auf ihre Trommel und ruft: „Steht auf wenn ihr Waller seid“, den Schlachtruf des Protests. Ihr Mann geht neben ihr und hält ein Schild auf dem steht „Wallau – das Stiefkind von Hofheim“. Die Eltern fürchten um das Handballtraining ihres neunjährigen Sohns.

Bei dem Protestmarsch vom Festplatz zur Ländcheshalle, den die Interessengemeinschaft Wallauer für Wallau organisiert hat, geht es den Bürgern wieder einmal um den Abriss und Neubau der Ländcheshalle.

Der Hintergrund: Die Stadt Hofheim möchte die Sporthalle abreißen und dort Wohnraum schaffen. Als Ersatz schlägt die Stadt als sogenannte „Basislösung“, den Bau einer Drei-Felder-Sporthalle auf dem Grundstück der Taunusblickschule vor. Diese Basislösung will die Stadt finanzieren.

Der Haken an der Sache ist aus Sicht der Wallauer jedoch, dass sich Sportvereine und Schule künftig die kleinere Halle teilen sollen und dadurch ein großer Verlust an Hallenkapazität entsteht. Alles was jedoch baulich über die Basislösung hinausgeht, soll der TV Wallau , der derzeitige Hauptnutzer, bezahlen.

Anfang diesen Jahres gründeten die Wallauer eine Gemeinschaft, um ihre Interessen zu vertreten. Der ehemalige Handballnationalspieler und Bundesligaspieler bei der SG Wallau-Massenheim Steffen Weber leiht der Gemeinschaft auch an diesem Tag wieder sein prominentes Gesicht.

Auf einer Bühne vor der Ländcheshalle steht er am Rednerpult im IG-T-Shirt und mit einem „Herz für Wallau“ auf der Wange. Hinter ihm hängt ein großes Laken voller Handabdrücken von Kindern. Darüber steht in bunten Buchstaben: „Wir wollen weiter turnen.“ Zusammen mit seinen Mitstreitern liest Weber die Folgen der Basislösung für Wallaus Sportler vor, die die Bürger fürchten: „Einschränkung des Sportangebots von 50 Prozent, von 600 Kindern können 300 keinen Sport mehr ausüben“. Buh-Rufe schallen aus der Menge. Dann erhebt einer auf dem Podium wieder die Stimme: „Wir fordern, dass sie Stadt Hofheim einen Hallenbau übernimmt, der die jetzige Hallenkapazität mindestens erhält“, das Publikum jubelt, Trillerpfeifen, Trommeln und Blaskapelle stimmen ihr Konzert an.

Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) steht unter den Demonstranten. Die Redner der IG machen noch einmal ihre Position deutlich. In Wallau seien in den letzten zehn Jahren nur rund 700000 Euro investiert worden, in anderen Stadtteilen mehr als vier Millionen Euro: „Vielen Dank für die neue Friedhofstür, aber wir haben uns etwas mehr vorgestellt“, sagt Mario Kleber.

Dann bitten sie Bürgermeisterin Stang auf die Bühne und übergeben ihr unter großem Jubel 3212 gesammelte Unterschriften. Was letztlich aus der Halle wird, soll Anfang September entschieden werden. Bis dahin wird verhandelt.

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