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Städtischer Nahverkehr Bahnpläne spalten die SPD

Die Klarenthaler lehnen Schienen nach wie vor ab. Sie sind zufrieden mit ihrer Verkehrsanbindung.

10.11.2011 21:38

Während die Parteiführung und Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke vom Schienenverkehr schwärmen, stemmen sich die Sozialdemokraten aus dem Stadtteil, in dem die erste Straßenbahntrasse gebaut werden sollte, wie bereits vor elf Jahren mit aller Macht gegen dieses Vorhaben vor ihren Haustüren: Die Klarenthaler SPD beantragt einen Sonderparteitag, sagt deren Vize-Vorsitzender Gunther Ludwig. Die Delegierten sollen abstimmen, ob eine Stadtbahn verwirklicht werden soll, so Ludwig.

Bei einer klaren Mehrheit für die Schiene würde er seinen Widerstand aufgeben. Aber er rechnet nicht damit. Denn: „Schon beim letzten Parteitag gab es nur vier Stimmen mehr für die Bahn.“

Die Klarenthaler lehnten die Schienen überwiegend ab, sagt Ludwig. Als jahrelanger Ortsvorsteher kenne er das Stimmungsbild in dem Stadtteil mit über 10.000 Einwohnern. „Mit der jetzt geplanten Trasse bietet man uns etwas an, was wir längst schon haben“, sagt er. Die Buslinie 33 fahre doch direkt nach Kastel, mit der Linie 17 komme man nach Bierstadt und mit der 14 nach Schierstein. Klarenthal brauche keine kostspieligen Schienen, sondern – angesichts des Migrantenanteils von fast 50 Prozent – „soziale Programme“.

Laut Koalitionsvereinbarung sollten „innovative Verkehrskonzepte“ geprüft werden, um das innerstädtische Verkehrsaufkommen zu entlasten, mahnt Ludwig. Es werde aber nur die Bahn beleuchtet. Dabei gebe es durchaus interessante Beispiele wie Langbusse in Helsinki sowie Fahrzeuge, die ihren Strom selbst erzeugten.

Eine Straßenbahn sei zudem nicht so sauber, leise und schnell, wie von Befürwortern stets gepriesen, sagt der Klarenthaler Sozialdemokrat: Schließlich werde sie mit Strom betrieben, zudem ruckle es sehr wohl in den Kurven. Und wenn eine Bahn feststecke, könne nicht flott ein Ersatz auf die Gleise gestellt werden. Busse seien viel mobiler und flexibler.

Der Ortsvorsteher zeigt sich überzeugt, dass der Verkehr besser fließe, wenn Busse vermehrt eigene Fahrspuren hätten. Aber das werde nicht mal erwogen. Nur einer Straßenbahn werde eine eigene Trasse zugestanden.

Die Genossen in der Fraktion reagierten mit „Unverständnis“ auf die innerparteilichen Widersacher aus dem Südwesten: Der Ausbau des Bussystems werde doch gleichzeitig auch geprüft, und im Frühjahr beschließe ein Parteitag über das Bahnprojekt. Erst danach fälle das Parlament einen Grundsatzbeschluss, so Dennis Volk-Borowski. (byb.)

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