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Sprayer Wiesbaden In Schierstein wüten Sprayer

Seit einigen Wochen vermehren sich die Farbschmierereien an zahlreichen Hauswänden. Die verärgerten Bürger wollen sich nun wehren und denken darüber nach, sachdienliche Hinweise zu belohnen.

14.02.2014 09:03
Helena Henzel
Den Sprayern drohen hohe Strafen, sollten sie in Aktion erwischt werden. Foto: IMAGO

Wenn ein Hund sein Revier markiert, hinterlässt er seine Duftmarke. Besprüht ein Sprayer eine Hauswand mit seinem Schriftzug, ist es ein großes Ärgernis. Denn nicht nur die Sprayerszene sieht, dass hier jemand sein Gebiet markiert, sondern alle anderen auch.

Dieses Problem beschäftigt aktuell die Anwohner in Schierstein. Dort tauchen seit einigen Wochen vermehrt Farbschmierereien an Hauswänden auf. Einige Bürger haben sich sogar schon bei Walter Richters (Grüne), dem stellvertretenden Schiersteiner Ortsvorsteher, beschwert. „Der Unmut der betroffenen Bürgerinnen und Bürger wird immer lauter“, sagt er. Besonders viele Graffiti gebe es im Bereich um die Christophoruskirche, in der Reichsapfelstraße und im unteren Teil der Freudenbergstraße.

An den Hauswänden prangen zahlreiche Signaturkürzel der Sprayer. Die Schriftzüge, die auf das Pseudonym des Sprayers verweisen, heißen im Jargon „Tags“. Der Begriff bedeutet im Englischen Markierung oder Etikett. Der Sprayer hinterlässt mit dem Tag sein Erkennungszeichen und zeigt so seine Präsenz in einem Gebiet.

Schlacht der Sprayer tobt

Zuvor gab es zwar schon vereinzelt solche Schmierereien in Schierstein. „Aber so eine Schlacht, wie im Moment, hat es noch nicht gegeben. Da werden die Tags an den Wänden überschrieben oder durchgestrichen“, hat der Schiersteiner Herbert Just beobachtet. Er selbst hatte im Januar Strafanzeige gestellt, nachdem er einen acht Meter langen Schriftzug an der Fassade seines Hauses entdeckt hatte. „Für mich ist es konkret ein Schaden von 400 Euro“, berichtet Just. Insgesamt habe er schon über 100 Farbschmierereien in Schierstein gezählt. Nicht jeder einzelne Tag wird separat angezeigt und als einzelne Tat erfasst. „Wenn in einer Nacht viele Tags in gleicher Schrift und Farbe in einem ganzen Straßenzug auftauchen, fassen wir das zusammen“, erklärt Markus Hoffmann, Pressesprecher der Polizei Westhessen. „Die Polizei geht dann von einem Tatzusammenhang aus und stellt nur eine Strafanzeige.“ Seit Jahresbeginn 2014 wurden dem zuständigen Polizeirevier in Biebrich so neun Farbschmierereien angezeigt.

Die Aufklärungsquote für Farbschmierereien ist eher niedrig. So konnten in ganz Wiesbaden im Jahr 2012 nur zehn von 157 angezeigten Fällen der Sachbeschädigung durch Graffiti aufgeklärt werden. Das entspricht einer Quote von 6,4 Prozent. Im Vorjahr konnten 10,8 Prozent aller 83 Fälle aufgeklärt werden. „Die Täter hinterlassen bis auf ihre Tags meist keine Spuren. Und von diesen Schriftzügen lässt sich nur schwer auf die Einzelperson schließen“, erläutert Hoffmann. Bislang galt Schierstein nicht als ein beliebtes Gebiet für Sprayer. Laut Polizei wird das zuständige Revier dort nun besonders aufmerksam beobachten und regelmäßig kontrollieren. Anwohner Herbert Just hat jedoch nicht den Eindruck, dass die Schmierereien besondere Priorität bei der Polizei haben. „Es könnte mehr Personal eingesetzt werden“, findet er. „Mir ist klar, dass sie keine Wunder wirken können. Aber wir haben hier eine außergewöhnliche Situation.“

Bürger planen Belohnung

Inzwischen planen mehrere Bürger unabhängig voneinander, die Ermittlungen durch Eigeninitiative zu unterstützen. Einige denken über eine Belohnung für Zeugenhinweise nach. Herbert Just will ein Aktionsblatt an Privathaushalte verteilen. „Es sollen so viele Leute wie möglich zur Ortsbeiratssitzung kommen und sich äußern“, sagt er. Die findet am kommenden Mittwoch, 19 Uhr, in der Ortsverwaltung Schierstein statt. Ortsvorsteher Urban Egert (SPD) hat Walter Richters zugesichert, einen Vertreter des Polizeireviers einzuladen. Vorerst könnten die Schiersteiner am besten zur Klärung des Falls beitragen, indem sie besonders aufmerksam sind und Verdächtiges melden, bittet die Polizei.

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