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Spott für die XXXL-Pläne

Demo und klares Votum der Ortsbeiräte gegen Möbelmarkt

18.04.2012 22:00
Dimitri Taube

Sie sind empört und verärgert. Sie sprechen von Wahnsinn, Chaos und Desaster. Sie tragen Schilder mit Aufschriften wie „Dreck, Lärm, Stau – uns stinkt’s“ und „XXXL gebaut, Biebrich versaut – und dann will’s keiner gewesen sein!“. Auf einem anderen Transparent heißt es „Bauantrag XXXL – Was nicht passt, wird passend gemacht“.

80 Bürger aus Biebrich und Schierstein haben am Montag vor der Galatea-Anlage an der Straße der Republik demonstriert. Gegen die Stadt, gegen mehr Verkehr und gegen die Möbelmarktpläne der Unternehmensgruppe „XXXLutz“. Sie wollen keine Erweiterung des Mann-Mobilia-Möbelmarktes an der Äppelallee. Stattdessen fordern sie, dass eine Lösung gefunden wird für die Verkehrsprobleme.

Die Initiative „Biebricher gegen Verkehr XXL“ hat die Kundgebung vor dem Eingang zum Bürgersaal organisiert. Sie wehrt sich gegen den geplanten Möbelmarkt, hält den Bau für „nicht genehmigungsfähig“ und will das „im Zweifelsfalle auch von den Gerichten feststellen lassen“.

In der anschließenden Sondersitzung beschäftigen sich die Ortsbeiräte Schierstein und Biebrich mit einer Magistratsvorlage. Die sieht vor, anlässlich des XXXL-Baus drei „Befreiungen“ zuzulassen. Sprich: Was nach den bisherigen Festsetzungen nicht zulässig ist, soll zulässig gemacht werden. Zum Beispiel die Höhe des Neubaus. Der Bebauungsplan erlaubt ursprünglich eine Höhe von 17 Metern, XXXLutz plant jedoch eine 21,35 Meter hohe Glaskuppel.

Die zwei weiteren Befreiungen betreffen die Grünflächen rund um das Gelände. Bisher ist festgesetzt, dass die Flächen nicht überbaut werden können. Doch die neuen Pläne sehen genau das vor – um eine neue Zufahrt von der Äppelallee zu ermöglichen sowie einen Kreisel an der Friedrich-Bergius-Straße.

Die Ortsbeiräte lehnen dies mit nur einer Enthaltung ab. Doch sie fungieren nicht als Entscheidungs-, sondern lediglich als Beratungsgremium. Die Behörden der Stadt sehen in den drei Befreiungen kein Problem. Insofern befürchtet auch Robert Röpert zunächst keine Konsequenzen. Er weiß: Entscheiden müssen andere.

Röpert ist XXXLutz-Geschäftsführer und der für Deutschland zuständige Expansionsleiter. Zusammen mit seinen Mitarbeitern und dem Architekten stellt er während der Sitzung die Neubaupläne vor. XXXLutz will teilweise abreißen, umbauen, renovieren. Geplant ist ein viergeschossiges Gebäude. Bestandteil des Projekts ist auch ein Restaurant. Zudem soll mit „Sparkauf“ ein weiterer Möbelmarkt aufs Gelände. 43000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen. Geplant ist eine Bauzeit von 19 bis 20 Monaten.

Mit seinen Argumenten kommt Röpert bei den vielen Kritikern im Saal genauso wenig an wie auch die anwesende Stadtplanungsdezernentin Sigrid Möricke (SPD). Ein Zuhörer wirft ihr lautstark „Unfähigkeit“ vor. Und für Röpert haben einige Biebricher und Schiersteiner nur Hohn und Spott übrig. Zum Beispiel nach seinem Satz „Wir schaffen hier Arbeitsplätze“.

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