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Shafran-Biografie Aufgeben gibt es nicht

Germaine Shafran floh mit ihrer Familie 1933 vor den Nazis aus Deutschland. Nach dem Krieg kehrte sie zurück - nach Wiesbaden. Nun hat Shafran ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. Der Titel lautet: „Never say die“ – Gib niemals auf.

06.11.2010 10:50
Heike Bökenkötter

Im März 1933 ging plötzlich alles ganz schnell: Zufällig von einem Freund gewarnt, verließ ihr Vater, ein jüdischer Filmregisseur, gemeinsam mit seiner Familie Berlin – bevor allen Juden in Deutschland die Pässe abgenommen wurden. Die damals zehnjährige Germaine Shafran, geboren als Inge Kaufmann in Berlin-Charlottenburg, musste viele Widrigkeiten überstehen. Die Familie ließ bei der Flucht nach Frankreich alles zurück: Freunde, Besitz und Heimat. Nach dem plötzlichen Tod der Mutter 1939 wurde Germaine in einem südfranzösischen Lager interniert. Es gelang ihr, sich selbst aus dieser Lage zu befreien. Später emigrierte sie in die USA.

Nach dem Krieg wagte sie etwas für viele andere Juden Unvorstellbares: Sie kehrte nach Deutschland zurück und ging nach Wiesbaden, wo ihr Vater oft gearbeitet hatte. Nun hat Germaine Shafran ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. Der Titel des Buches spiegelt auch ihr Lebensmotto wieder: „Never say die“ – Gib niemals auf. Wie Mitarbeiter des Museums Spiegelgasse erklären, zeichnete der Lebensmut die auch heute noch in Wiesbaden lebende Shafran aus. Bereits in den 80er Jahren engagierte sie sich für den Dialog zwischen Christen und Juden. Seit Gründung des Aktiven Museums Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte war sie auch dort dabei. 2007 wurde ihr von der Stadt die Silberne Bürgermedaille verliehen – als Zeichen der Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement in der Stadt.

Der ehemalige Vorsitzende des Aktiven Museums, Karlheinz Schneider, erklärt, was er an Germaine Shafran so bewundert: Trotz ihres Schicksals lehne sie Schuldzuweisungen jeder Art ab und engagiere sich stattdessen gesellschaftlich. Auch wenn sie das Schicksal mit vielen anderen Juden teile, sei ihr Leben, so wie sie es meistere, außergewöhnlich.

Der stellvertretende Vorsitzende des aktiven Museums Spiegelgasse, Luciano Becht, hofft, dass besonders viele Jugendliche das Buch lesen werden. Es könne ihnen Mut machen, sich den Schwierigkeiten des Lebens zu stellen und nicht zu schnell aufzugeben.

Die Autobiografie „Never say die“ ist 2010 im Verlag Edition 6065 erschienen und kann im Buchhandel oder im Aktiven Museum Spiegelgasse, Spiegelgasse 9, erstanden werden. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-941072-04-6. Das Buch kostet 12,90 Euro.

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