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Schlüsseldienst Gericht sieht Wucher

Das Wiesbadener Amtsgericht beurteilt die Rechnung eines Schlüsseldienstes über 900 Euro als „Wucher“ . Das Unternehmen soll 550 Euro an den Kunden zurückzahlen

Schlüssel drinnen, Besitzer draußen - oft kann in solchen Fällen nur ein Experte helfen. Wer einen Schlüsselnotdienst zu Hilfe ruft, muss aber oft tief in die Tasche greifen. Foto: dpa

Insgesamt 900 Euro hatte ein Wiesbadener zahlen müssen, als er eines sonntagnachts im Jahr 2014 die Tür zu seiner Wohnung von einem Mitarbeiter eines Schlüsseldiensts aufbrechen ließ. Zwar beglich der Mann zunächst die Summe, zog anschließend jedoch vor Gericht. Die bezahlte Rechnung sei „wucherisch hoch“, hatte er während einer Verhandlung im November 2015 angegeben. Jetzt gab das Amtsgericht Wiesbaden dem Kläger Recht.

Während eines Wochenendes in Paris war der Mann bestohlen worden. Rucksack samt Schlüssel wurden ihm entwendet. Noch in der Stadt der Liebe hatte der Mann im Internet nach einem Schlüsseldienst gesucht, der in Wiesbaden ansässig ist und dann vor Ort sein konnte, wenn er zurückkehrte. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass die Firma ihren Sitz in Gießen hat.

Das Öffnen der Tür selbst hatte mehrere Stunden gedauert. Der Schlüsseldienst-Mitarbeiter hatte unter anderem einen hochwertigen Zylinder ein-, und nachdem sich der Mann beschwert hatte, wieder ausgebaut. Erst gegen 2.30 Uhr konnte der Wiesbadener in seine Wohnung.

Doch die Erleichterung wich der Wut. 1350 Euro sollte der Wiesbadener für das Öffnen der Tür zahlen. Durch Nachverhandlungen gewährte der Mitarbeiter schließlich eine Sondervereinbarung und der Mann zahlte 900 Euro per EC-Karte – zähneknirschend und auch nur deshalb, weil er sich in einer Notlage gesehen habe, hatte der Anwalt des Mannes im November erläutert. Da der Geschäftsführer des Schlüsseldienstes sich während eines ersten Termins vor Gericht nicht bereit gezeigt hatte, einen Vergleich einzugehen, hatte das Gericht ein Gutachten in Auftrag gegeben. Festgestellt werden sollte, wie teuer das Aufbrechen einer Tür ist.

Kläger soll 550 Euro zurückbekommen

Laut einer Pressemitteilung des Amtsgerichts habe das Gutachten des Sachverständigen gezeigt, dass die im konkreten Fall übliche Vergütung 343 Euro betrage. Somit müsse der Geschäftsführer des Schlüsseldienstes mehr als die Hälfte der bereits gezahlten Summe an den Kläger zurückzahlen. Das Amtsgericht urteilte, dass zwischen Leistung und Gegenleistung ein „auffälliges Missverhältnis“ bestehe. Somit sei das Rechtsgeschäft „wucherisch“ und „nichtig“.

Die Rechnungssumme setze sich aus Arbeits- und Wegzeiten, dem verwendeten Material sowie einer Fahrzeug-Kostenpauschale zusammen. Zudem sei der Sachverständige zu dem Schluss gekommen, dass die berechnete Arbeits- und Wegzeit mit vier Stunden zu hoch angesetzt sei. Er gehe davon aus, dass lediglich zwei Stunden angemessen und erforderlich seien.

„Der Einsatz eines möglicherweise nicht ausreichend fachkompetenten Mitarbeiters, die Dauer der Diskussion über die Art des einzubauenden Schließzylinders und die Höhe der Vergütung können keinen Einfluss auf die erforderliche Zeitdauer haben“, teilt das Amtsgericht mit.

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