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Rückzug nach Kindersex-Text Keine Häme für Dagmar Döring

Die Wiesbadener Bundestagskandidaten reagieren mit Anerkennung auf den Verzicht der FDP-Politikerin Dagmar Döring, die über einen Pädophilie-Text gestolpert ist.

13.08.2013 09:05
Gina Haubner und Ute Fiedler
Unzählige Plakate zieren derzeit Wiesbadens Straßen. Nur die Banner von Dagmar Döring fehlen. Foto: Michael Schick

Mit Anerkennung und großem Respekt haben Wiesbadener Lokalpolitiker und die verbliebenen Wiesbadener Bundestagskandidaten auf den Verzicht der FDP-Politikerin Dagmar Döring auf ihre Bundestagskandidatur reagiert. „Man sollte nicht politisch ausschlachten, was vor 30 Jahren passiert ist. Man sollte lieber aktuelle Themen betrachten“, sagte beispielsweise Manuela Schon auf Nachfrage der FR.

Dagmar Döring hatte am Wochenende den Verzicht auf ihre Kandidatur erklärt, nachdem sie mit einem Aufsatz konfrontiert worden war, in dem sie die Legalisierung sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern unterstützt hatte. Diesen hatte sie 1980 in dem Buch „Pädophilie heute“ publiziert. (Die FR berichtete). Der Parteienforscher Franz Walter hatte den Artikel in Zuge mit der Aufarbeitung der Pädophilie-Vorwürfe gegen die Grünen entdeckt.

Trotz dieses von Döring eingestandenen Fehlers reagieren die Wiesbadener Politiker zurückhaltend. Als sie von dem Vorfall gehört und anschließend den Aufsatz gelesen habe, sei sie zwar schockiert gewesen, sagte Manuela Schon. „Doch der Zeitpunkt, als Dagmar Döring diesen Aufsatz schrieb, liegt lange zurück. Vielmehr wollen wir uns um aktuelle Dinge kümmern. Zum Beispiel sollte der Skandal um die Vetternwirtschaft von Florian Rentsch thematisiert werden.“

Kristina Schröder profitiert

Auch Andreas Romppel, Bundestagskandidat der Wiesbadener Grünen, plädiert dafür, „niemandem Fehler vorzuwerfen, die er zwar begangen hat, aber von denen er sich eindeutig distanziert hat“. Er wolle sich lieber mit seinen Gegnern über politische Inhalte auseinandersetzen, anstatt über Fehler, die mehr als 30 Jahre zurückliegen. Döring hatte sich noch am Wochenende von ihrem Aufsatz distanziert. „Als verheiratete Frau und Mutter von drei Kindern sind mir meine damaligen unreifen Gedanken heute unvorstellbar peinlich“, schrieb sie. Ihre Sichtweisen seien ein großer Fehler gewesen.

Als konsequent bezeichnete Simon Rottloff, SPD-Bundestagskandidat, Dörings Entscheidung. Allerdings habe ihr Verzicht keine Auswirkungen auf seine Wahlkampfstrategie. „Ich orientiere mich nicht daran, was die anderen machen, sondern konzentriere mich auf meine Themen und Hausbesuche“, sagte er. Rottloff will nicht darüber spekulieren, ob die FDP-Wähler nun ihn mit ihrer Erststimme unterstützen. „Wer ein Angebot für moderne Familienpolitik fernab des Betreuungsgeldes sucht – da biete ich mich gerne an.“

Die Bundestagskandidatin der Union, Kristina Schröder, die am meisten vom Verzicht Dörings profitieren dürfte, wollte gestern keine Stellungnahme abgeben. Auch der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Horst Klee wollte sich zu den Inhalten von Dörings Aufsatz nicht äußern. „Ich kann das nicht bewerten“, sagte er. Döring habe als 19-Jährige einen Fehler gemacht. „Jeder hat das Recht, Fehler zu korrigieren. Ich halte ihren Rückzug für einen korrekten und mutigen Schritt.“

Derzeit kämpfen noch acht Wiesbadener Bundestagskandidaten um das Direktmandat. 2009 hatte Kristina Schröder den Wahlkreis mit 41 Prozent klar gewonnen. Neben ihren Namen wird am 22. September auch Dörings Name auf den Wahlzetteln stehen. Eine Rücknahme des Wahlvorschlags sei nur bis zum Zeitpunkt seiner Zulassung durch den Wahlausschuss möglich, teilte die Stadt mit. Der Wahlausschuss hatte am 26. Juli getagt.

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