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Rotlichtszene Wiesbaden Privatwohnung bevorzugt

Käufliche Liebe in Wiesbaden - was geht, was nicht? FR-Mitarbeiter Bastian Beege hat die wichtigsten Infos zusammengestellt.

08.01.2010 00:01
Eine Prostituierte wartet auf Kundschaft. Foto: ddp

Eigentlich hat das älteste Dienstleistungsgewerbe der Welt in Wiesbaden keine große Tradition. "Vier legale Bordelle, zwei an der Mainzer Straße, sowie je eines in Biebrich und Kastel - mehr gibt es bei uns nicht", zählt Ehrenfried Bastian vom Ordnungsamt auf. Damit gebe es auch kein klassisches Rotlichtviertel wie etwa in Frankfurt. Der Grund liegt für Bastian auf der Hand: "Das Gewerbe wird von der zumeist bürgerlichen Bevölkerung einfach nicht angenommen." Wo keine Nachfrage ist, gäbe es auch kein Angebot.

Für die wenigen vorhandenen Bordelle bestehen hingegen strenge Auflagen: Sie dürfen nur in ausgewiesenen Toleranzzonen existieren - fünf solcher Zonen gibt es in Wiesbaden, das entspricht in etwa 12 Prozent der Stadtfläche. Der Rest ist Sperrgebiet - und dort haben gewerbliche Bordelle nichts verloren.

Lockerer sind die Regelungen für die sogenannte private Wohnungsprostitution. "Die Freier ziehen diese anonyme Variante vor", berichtet Ehrenfried Bastian. "In diesem Bereich ist der Markt in den letzten zehn Jahren stark angewachsen." In Wiesbaden seien ihm derzeit rund 55 über das gesamte Stadtgebiet verteilte Fälle bekannt, in denen Frauen ihre eigene Wohnung für die Prostitution nutzen. In diese Kategorie fallen auch sogenannte "Terminwohnungen": Dabei mieten mehrere Frauen gemeinsam eine Wohnung für ihre Zwecke an.

Doch es gibt Grenzen: So kann höchstes die Hälfte der Wohnfläche für die Prostitution genutzt werden und ein Apartment darf von nicht mehr als drei Frauen geteilt werden. "Andernfalls unterstellen wir ein Gewerbe und gehen dagegen vor", so Bastian. Konkret heißt das: Bei entsprechendem Verdacht fährt das Ordnungsamt gemeinsam mit der Polizei zur gegebenen Adresse und kontrolliert die Lage. "Im Zweifelsfall schließen wir den Laden."

Dies komme jedoch nicht allzu oft vor, meistens könne man sich mit den Betroffenen einigen. Auch sonst sind Probleme eher die Ausnahme. "Es gibt eigentlich keinen Ärger mit Lärm oder Krawall", so der zuständige Mitarbeiter vom Ordnungsamt. "Beschwerden aus der Bevölkerung richten sich meistens gegen unrechtmäßige Werbung - etwa in Form von Plakaten in der Öffentlichkeit."

Auch drastische Auswüchse des Rotlichtgewerbes - wie etwa Menschenhandel und Zwangsprostitution - seien in Wiesbaden unbekannt. "Vor allem während der letzten Weltmeisterschaft hatten wir aufgrund entsprechender Befürchtungen die Kontrollen verschärft - Aber es ging alles gut."

Und wie hoch ist die Dunkelziffer, also die Zahl der Fälle von Prostitution, die dem Ordnungsamt durch die Lappen gehen? "Vorsicht mit dem Wort ,illegal´", warnt Bastian. "Denn für Bordelle und private Wohnungsprostitution besteht keine Meldepflicht bei der Stadt." Soll heißen: Solange die genannten Auflagen erfüllt werden, kann jeder ein Bordell eröffnen, ohne die Stadt um Erlaubnis fragen oder etwa Gewerbesteuer zahlen zu müssen.

Geld kassiert nur das Finanzamt. Denn dort besteht sehr wohl eine Meldepflicht - und jede Prostituierte muss täglich 25 Euro ihrer erzielten Einnahmen ans Amt abgeben. (babe)

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