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Rheinstraße Mainz Tempo 30 im Sommer

Das Land Rheinland-Pfalz will ein Jahr lang auf der Mainzer Rheinstraße die Auswirkungen eines Tempolimits auf den nächtlichen Verkehrslärm testen.

22.05.2013 21:24
Claudia Renner
Die Rheinstraße soll bald leiser werden – zumindest nächtens. Foto: Harry Braun

Etwa ein Jahr lang wurde darüber diskutiert, jetzt steht ein nächtliches Tempolimit vor der Umsetzung: Ab Sommer darf auf den 800 Metern der Rheinstraße zwischen Rathaus und der Einmündung der Holzhofstraße ab 22 Uhr nur noch Tempo 30 gefahren werden – und das bis 6 Uhr morgens. Das Land bezahlt ein Jahr lang alle Kosten in Höhe von rund 20000 Euro, um die lärmmindernde Wirkung zu testen. „Wir stehen kurz vor dem Beginn“, bestätigt Umwelt- und Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). Der Pilotversuch mit nächtlichen Tempolimits auf Hauptachsen in Mainz und Trier ist ein Ergebnis des ersten Runden Tisches für Lärmschutz bei Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Das Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) bereitet jetzt Messungen vor. Erst wird die aktuelle nächtliche Lärmeinwirkung auf die Anwohner erkundet, später im Vergleich bei Tempo 30. „Zusätzlich werden die Geschwindigkeiten und Verkehrsmengen automatisch erfasst“, teilt das Verkehrsministerium mit.

Ein wichtiges Element soll die Befragung der Anwohner sein. Die Ampeln auf der Strecke werden so programmiert, dass die Grüne Welle dann bei Tempo 30 gilt. Ursprünglich hatte die Stadt die Kaiserstraße und ihre Verlängerung, die Parcusstraße, ausgeguckt. Doch dagegen erhob sich im Sommer des vergangenen Jahres ein Proteststurm von Anwohnern, Taxifahrern und dem ADAC. Politiker von CDU und FDP hielten die Begrenzung für ungeeignet, nächtlichen Verkehrslärm zu mindern: Das eigentliche Problem sei der Verkehrslärm am Tag. Dagegen zeigte sich LUWG-Präsident Stefan Hill von einer positiven Wirkung überzeugt, da der meiste Lärm vom Rollen der Reifen stamme – und das nehme mit der Geschwindigkeit deutlich ab.

Schließlich meldete die Stadt als Alternativstrecke die Rheinstraße an, da die Kaiserstraße wegen ihres „schluchtähnlichen“ Charakters weniger geeignet sei. Die endgültige Auswahl traf das Land.

Die Rheinstraße, zumindest der Abschnitt zwischen Rathaus und Dagobertstraße, taucht bereits im Lärmaktionsplan der Stadt von 2009 als eine von 17 innerstädtischen Strecken auf, bei der Tempo 30 in der Nacht geprüft werden sollte. Innerhalb von 24 Stunden fahren dort bis zu 38 000 Fahrzeuge, die nächtliche Lärmbelastung erreicht laut Lärmaktionsplan bis zu 68 Dezibel. Das ist nach gängigen Tabellen etwa so laut wie ein Staubsauger. Der Nacht-Schwellenwert des Lärmaktionsplans liegt bei 64 Dezibel.

In Jena kam die Fachhochschule nach Messreihen mit nächtlichem Tempo 30 auf innerstädtischen Bundesstraßen zu dem Schluss: „Die Verringerung der maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit 30 km/h bewirkt eine messtechnisch eindeutig nachweisbare und subjektiv gut wahrnehmbare Geräuschreduktion.“ Anträge der Stadt Wiesbaden auf Tempo 30 in der Nacht für vier bestimmte innerstädtische Straßen hat der hessische Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) kürzlich abgelehnt.

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