Lade Inhalte...

Recycling in Wiesbaden Wiesbaden will über Recycling verhandeln

Die Vorplanung für das neue Müllheizkraftwerk in Wiesbaden läuft. Das Unternehmen Knettenbrech und Gurdulic (K+G) will bis zum Jahresende eine Baugenehmigung beantragen. Die Stadt will die Zeit nutzen.

Müll in Wiesbaden
Auch solcher Müll soll in Wiesbaden verwertet werden. Die Frage ist, wie die Öko-Bilanz aussieht. Foto: Michael Schick

Wie viel Energie das geplante Müllheizkraftwerk in der Nähe des Dyckerhoffbruchs produziert, wie viel Abfall es recycelt und wie viel Dreck es in die Luft pustet, all dies wird sich vermutlich bis Jahresende entscheiden. Die Planungen für das vom Unternehmen Knettenbrech und Gurdulic (K+G) angestrebte Projekt gehen in die entscheidende Phase.

Dem Vernehmen nach möchte K+G bis Jahresende beim Regierungspräsidium die erforderlichen Unterlagen für das Genehmigungsverfahren inklusive Umweltverträglichkeitsuntersuchung vorlegen. Jetzt und nur jetzt können Weichen gestellt werden. Dieses Zeitfenster möchte die Stadt nutzen, um mit Knettenbrech und Gurdulic möglichst bald in Verhandlungen zu treten.

Wie vom Öko-Institut empfohlen möchte die Stadt darauf hinwirken, dass „die Schadstoffemissionen deutlich unterhalb der gültigen Grenzwerte liegen“, teilt Umweltdezernent Andreas Kowol auf Anfrage mit. Vorgeschrieben ist es, nach der 17. Verordnung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes zu bauen. Es gibt aber modernere technische Möglichkeiten, so zu bauen, dass weniger Dreck in die Luft geblasen und mehr Strom und Fernwärme gewonnen werden können. Festgelegt werden soll auch, dass die Zahl der Lastwagenfahrten von und zu dem Müllheizkraftwerk reduziert werden soll. 8000 bis 10.000 ÜFahrten sollen so vermieden werden.

Die Federführung des Genehmigungsverfahrens liegt beim Regierungspräsidium Darmstadt. Die Stadt hat kaum Einfluss darauf, wurde jedoch beim Vorbereitungstreffen beim RP angehört.

Dass sich K+G auf Wünsche der Stadt einlässt, hält Günter Dehoust vom Öko-Institut nicht für abwegig. „Der Heizwerkbetreiber sollte ein Interesse daran haben, mit der Stadt in einem guten Verhältnis zu stehen“, sagt er auf Anfrage der FR. Es gebe für ihn auch Vorteile. Liegen die Emissionen weit unter den vorgeschriebenen Werten, sei der Kontrolldruck geringer. Bei Werten knapp unter dem Richtwert müsste ständig untersucht werden, ob die Filter nicht optimiert werden müssten.

Wichtig sei jedoch, im Vorfeld die Zielgrößen klar zu formulieren. Die Stadt möchte sich daher für die Verhandlungen von Fachleuten beraten lassen. Kowol nennt noch einen weiteren Grund, warum K+G sich auf die Verhandlungen einlassen könnte. Verzögerungen im Genehmigungsverfahren könnten nur verhindert werden, wenn er sich mit der Stadt über das Ziel und die Vorgehensweisen einig sei.

Wie aus der Stadtverordneten-Vorlage hervorgeht, soll es in den Verhandlungen auch darum gehen, K+G zu verpflichten, Gewerbeabfälle besser zu recyceln und biogene Abfälle nur im benachbarten Biomasseheizkraftwerk zu verbrennen. Die Kraft-Wärme-Auskopplung soll 163.000 Megawattstunden Fernwärme im Jahr betragen, um auch nur annähernd so ökologisch und wirtschaftlich wie die Anlage in Frankfurt zu arbeiten, wo der Müll bislang verbrannt wird. Ob es dafür Abnehmer gibt, ist noch offen. Der Wiesbadener Versorger ESWE erklärte lediglich, 100.000 Megawattstunden Fernwärme abzunehmen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen