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Poet mit Ecken und Kanten

Autor Thomas Glavinic als Dozent

05.11.2011 21:42

Thomas Glavinic, Jahrgang 1972, hat in diesem Wintersemester die „Poetikdozentur: junge Autoren“ der Hochschule RheinMain inne. Romane wie „Carl Haffners Liebe zum Unentschieden“ und „Das bin doch ich“ brachten Glavinic mehrere Literaturpreise ein. Für sein jüngstes Buch „Unterwegs im Namen des Herrn“ (Hanser) hat er sich unter die Pilger begeben.

Herr Glavinic, Sie sind Grazer, leben aber in Wien. Wiesbaden ist so etwas wie das Wien Hessens. Wie gefällt Ihnen die Stadt?

Bislang habe ich nicht viel gesehen. Ich bin ein Mensch, bei dem sich die Sympathie für eine Stadt aus den Hotels ergibt, in denen er nächtigt, und da bin ich bislang durchaus zufrieden.

Verbindet Sie überhaupt etwas mit der Stadt, oder ist die Dozentur nur ein Job?

Mit einer Stadt verbinde ich dann etwas, wenn ich nette Leute dort kenne. Ich lerne sie gerade kennen.

Was ist so richtig furchtbar an Wiesbaden?

Mir wäre bislang nichts Furchtbares aufgefallen. Ein paar Millionen Einwohner mehr wären aber ganz okay.

Was ist das Allerwichtigste, das Sie in Ihren Gastvorlesungen vermitteln wollen?

Dass ein Schriftsteller der Schriftsteller werden muss, der er ist, mit allen Ecken und Kanten, und sich von Schreibschulen eher fernhalten sollte.

Für Ihr jüngstes Buch haben Sie an einer Pilgerfahrt teilgenommen. Was hat Sie dazu getrieben, und wie skurril war es?

Neugier. Und Naivität! Ich dachte, da würde ich interessante Dinge über meinen Glauben beziehungsweise Unglauben und über den Glauben an sich erfahren. Erfahren habe ich dann nur, dass es mir auf den Wecker geht, Menschen stundenlang beim Beten zuzuschauen, von denen dann auch noch einige auf Knien einen „Erscheinungsberg“ hochkriechen. Skurril ist überhaupt kein Ausdruck.

Ihr Ich-Erzähler in „Das bin doch ich“ behauptet, Sie hätten den Wikipedia-Eintrag über sich mit falschen Daten selbst verfasst, und alle Journalisten, die sie interviewen, hätten ihn ausgedruckt vor sich liegen. Das steht jedenfalls in dem Wikipedia-Ausdruck, der vor mir liegt. Stimmt es denn?

Nö. Aber ich finde es lustig, dass es in Wikipedia steht.

Wenn Sie in Hessen leben würden, welchem Fußballverein würden Sie die Treue halten, und warum?

Es gibt nur einen Verein, und das ist Sturm Graz.

Interview: Volker Schmidt

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