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Plastikmüll in Hessen Einkaufen in Wiesbaden ohne Plastiktüte

Ein Besuch auf dem Wiesbadener Wochenmarkt zeigt, die Kunden haben oft aus Bequemlichkeit keine Taschen dabei. Marktsprecherin Ellen Schäfer fordert zur Plastikvermeidung die Politik zum Handeln auf.

Wochenmarkt in Wiesbaden
So ist es richtig: Gemüse in den Jutebeutel. Diese Kundin hat an eigene Taschen für ihren Einkauf gedacht. Foto: Monika Müller

Die Tomaten füllt Verkäufer Arne Storck in Papiertüten, der Granatapfel wandert ohne Verpackung zum Kunden, und auch der Salatkopf braucht weder Papier noch Plastik. Simon Warta, der bei dem Stand der Bioland-Gärtnerei Blattlaus einkauft, hat einen Rucksack auf den Wochenmarkt auf dem Dern’schen Gelände mitgebracht. „Ich komme extra hierher, weil ich keine Lust auf Verpackung habe“, erklärt der 29-Jährige. Den Salat legt er oben auf die anderen Einkäufe, damit er nicht zerknautscht. „Man muss es wollen, der Rucksack wird halt ein bisschen nass“, sagt er, „aber ich schaffe es fast immer.“ 

Der Marktbeschicker Blattlaus hat Plastikverpackung aus seinem Angebot verbannt. Obst und Gemüse werden konsequent in die dreieckigen Papiertüten gefüllt. „Nur für so was wie Spinat nehmen wir die Maisstärketüten“, sagt Storck, „die fassen größere Mengen“. Sie sehen aus wie Plastik, haben die gleiche Funktion wie Plastik, sind aber kompostierbar, erklärt Storck, der seine Kunden ansonsten beharrlich nach ihren mitgebrachten Taschen fragt. „Man muss die Kunden erziehen“, erzählt er, „in Wiesbaden klappt das gut, die meisten bringen was mit, in Frankfurt habe ich lange gebraucht, bis die Kunden ihre Sachen dabei haben.“

Blattlaus ist eine Ausnahme. Viele Kunden haben zwar Körbe oder Jutebeutel dabei, Senioren sind mit Einkaufswagen oder Taschen da. Doch ebenso viele verlangen nach einer Tüte, oft auch, weil sie die Waren trotz Tasche verpackt haben wollen. Die meisten Anbieter geben Plastiktüten aus. Und das, obwohl Beschicker und Kunden wissen, dass Plastik die Umwelt schädigt und die Weltmeere zerstört. Die Bequemlichkeit ist stärker als das Bewusstsein. „Ja, das ist ein wichtiges Thema“, gibt eine Kundin zu, die sich an der Saftbar Aydin Speisen in Plastikschüsseln und Plastiktaschen packen lässt, „ich habe heute überlegt, ob ich Boxen mitbringen soll.“

 

Der Umweltausschuss der Landeshauptstadt hat gerade einen Antrag der Grünen, Tragetaschen aus Plastik auf dem Wochenmarkt zu verbieten, mit großer Mehrheit abgelehnt. „Ein Verbot wäre eine Chance gewesen“, kommentiert dies Marktsprecherin Ellen Schäfer. Denn die Beschicker seien alleine aus Kostengründen bereit, Verpackungsmaterial einzusparen. Aus Angst, Kunden zu verlieren, könnten sie sich Einzelgänge nicht leisten. Deshalb brauche es die Politik von oben, sagt sie. Die Verantwortung liege auch beim Kunden, denn der müsse seine Taschen und Dosen dabei haben. Bei manchen Waren wie Frischkäse gehe es nicht ohne Plastik.

Dass die Plastikverpackung für die Händler ein Kostenfaktor ist, bestätigt Ömer Akin von Früchte-Akin. 20 Euro am Tag müsse er für die Plastiktaschen rechnen. „Ein Verbot wäre ein Vorteil“, sagt er. Dann läge es nicht an ihm, den Kunden etwas abzuschlagen. „Auch Metzger Stefan Löffler würde gerne Kosten beim Verpackungsmaterial sparen. Dass es auch ohne oder mit weniger Verpackung geht, beweisen die etwa zehn Prozent von Löfflers Kunden, die Fleisch und Wurst in mitgebrachte Dosen füllen ließen. Gerade die Jüngeren seien gut mit den Boxen ausgerüstet, sagt Löffler. Standbetreiberin Heike Kern erinnert sich, dass vor 40 Jahren alle Kunden Taschen dabei hatten. Der Tütenverbrauch sei jetzt hoch, jedoch seit zwei Jahren um rund 25 Prozent wieder gesunken. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Plastikfrei

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