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Pfandsammler Der Kampf um Kisten

Nico Becher will Pfandsammlern helfen, stößt aber noch auf Hürden

28.07.2012 21:57
Jana Kinne

Sie prägen das Bild der Stadt: Pfandsammler, die bei Wind und Wetter unterwegs sind, um sich ein bisschen was dazuzuverdienen. Oft reicht die Rente nicht zum Leben oder die Sammler haben sonst gar keinen Verdienst, sind arbeits- und obdachlos. Da sind 8, 15 oder 25 Cent viel Geld, für das sich auch ein Griff in Müll und Scherben lohnt. Und so heißt es: Taschenlampe anknipsen und mit der Hand in den Tiefen des Mülleimers nach Pfandflaschen fahnden.

„Das ist gefährlich, unhygienisch und entwürdigend für die Sammler“, sagt Nico Becher. Der Wiesbadener Fotograf will das nicht hinnehmen und montiert mit Freunden Pfandkisten in der Stadt. „Die Pfandkisten sind ein ökologisches und ein soziales Projekt“, sagt er. Sie würden helfen die Stadt sauberer zu machen und dafür sorgen, dass niemand im Müll wühlen müsse.

Die Idee ist nicht neu: Schon Ende 2011 hat eine Gruppe junger Berliner die Kampagne „Pfand gehört daneben“ ins Leben gerufen. Die Gruppe wirbt dafür, Pfandflaschen neben den Mülleimer zu stellen, anstatt sie hineinzuwerfen. Knapp 14000 Fans hat die Initiative auf Facebook. In Hamburg, Berlin, Köln und Frankfurt wurden bereits Pfandkisten montiert. In Wiesbaden befestigt Nico Becher die Kisten an Laternenmasten, an der Rückseite von Mülleimern und überall sonst, wo es passt. Eine Genehmigung dafür hat er bisher nicht.

Die Kisten sägt der 23-Jährige in zwei Teile. Von beiden Seiten werden sie dann mit Kabelbindern und Gaffa-Tape an den Pfosten befestigt. Doch lange hält die Konstruktion meist nicht: „Die Kisten werden abmontiert“, vermutet Becher. Nach zwei Tagen seien sie spätestens verschwunden. Bestätigt wird seine Befürchtung durch das Gespräch mit einem erfahrenen Sammler. Der ältere Herr, der als der Pfandsammler vom Schlachthof bekannt ist, beschwert sich, dass er von Mitarbeitern des Ordnungs- und Grünflächenamts aufgefordert worden sei, keine Kisten mehr zu befestigen. „Dabei war ich das gar nicht“, klagt er. Eigentlich findet er die Idee mit den Kisten gut, aber er will keinen Ärger.

Ordnungsdezernentin Birgit Zeimetz (CDU) will nichts davon wissen, dass die Kisten von der Stadt entfernt würden: „Ich finde die Idee generell gut“, sagt sie. Sie habe auch niemanden beauftragt, Kisten zu entfernen. Mit den Mitarbeitern der Ämter will sie reden. Auch Nico Becher erhofft sich ein Gespräch mit Zeimetz: „Ich würde gerne gemeinsam mit der Stadt eine Lösung entwickeln“, sagt er. Er habe schon mit einem Designer gesprochen und könne sich auch vorstellen, dass man eine schöne Kiste entwirft, die dauerhaft ins Stadtbild integriert werden könne. Zeimetz habe er schon vor ein paar Wochen eine Mail geschrieben und bisher keine Antwort erhalten. Die Ordnungsdezernentin will das jetzt ändern: „Ich werde einen Termin mit Herrn Becher vereinbaren“, sagt sie. Gleich nach ihren Ferien will sie sich darum kümmern.

Nico Becher hofft, dann eine nachhaltige Lösung zu finden, denn seine Initiative findet viel Anklang: „Ich habe schon an vielen Orten in der Stadt Nachahmer gesehen“, erzählt er. Die Aktion habe sich mittlerweile verselbstständigt. Dennoch will er eine offizielle Alternative - eine, die bleibt: „Viele kennen den Hintergrund noch nicht. Wenn man schöne Kisten von der Stadt hätte und auch über die Aktion informieren würde, wären vielleicht noch mehr Menschen bereit, ihren Pfand zu spenden“, hofft er.

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