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Passivhäuser Wiesbaden Trotz Dämmung kaum Ersparnis

Die GWW Baugesellschaft vergleicht Niedrigenergie- mit Passivhäusern und stellt fest, dass die Dämmung kaum Ersparnis bringt. Denn der Stromverbrauch steigt.

Modern und hell mutet die Siedlung am Weidenborn an. Foto: gww

Schon vor einem guten halben Jahr war die Passivhaus-Branche in heller Aufruhr. Grund ist ein deutschlandweit beachteter Test der GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft. Im Weidenborn wurden in direkter Nachbarschaft Passivhäuser und herkömmliche, nach Energie-Einsparverordnung (EnEV) gebaute Häuser errichtet. Gleicher Bauzeitpunkt, gleiche Ausrichtung zur Sonne, gleicher Grundriss.

Was bei der Versuchskonzeption als sichere Nummer zugunsten der Passivhäuser galt, entpuppte sich bei einer ersten Zwischenauswertung als Überraschung: Zwar lagen die reinen Heizkosten der Passivhäuser unter den der regulären Häuser, allerdings war der Stromverbrauch der Passivhäuser dreimal so hoch. Das liegt laut GWW an den in Passivhäusern verbauten Ventilatoren, die für den Luftaustausch im Inneren der Häuser verantwortlich sind. Denn gelüftet wird an sich nicht im Passivhaus.

Hier kommt der Faktor Mensch, oder im GWW-Versuch: der Faktor Mieter ins Spiel. An sich müsste die Wärmeenergie der in einer Passivwohnung lebenden Menschen sowie die Wärme elektrischer Geräte wie WLAN-Router und Flachbild-Fernseher ausreichen, um eine angenehme Wohn-Temperatur zu erzielen.

Fehler der Bewohner

Dass die Passivhäuser in der ersten Auswertung so überraschend schlecht abgeschnitten hatten, führten Befürworter der Technologie auf die fehlerhafte Nutzung der Bewohner zurück.

Obwohl die GWW nach eigenen Angaben die Bewohner noch einmal im richtigen Umgang mit den Passivhäusern geschult hat, hat sich die Tendenz der ersten Auswertung nach einem weiteren halben Jahr noch verstärkt: Der jährliche Heizenergiebedarf von einem Mehrfamilienwohnhaus, das nach der EnEV errichtet worden ist, lag im Jahr 2015 im Schnitt bei rund 33,52 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche. „Das baugleiche Pendant im Passivhaus-Standard kam auf einen durchschnittlichen Heizenergieverbrauch von 23,75 Kilowattstunden“, berichtet Hermann Kremer, Geschäftsführer der GWW. Aus dem zweiten Monitoring-Bericht gehe allerdings ebenso hervor, dass die Passivhäuser 2015 bei Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr zugelegt haben, während die EnEV-Häuser ihren Verbrauch leicht reduzieren konnten: Die EnEV-Häuser verbrauchten laut GWW knapp 5000 Kilowattstunden Strom, die Passivhäuser im gleichen Zeitraum fast 18 900 Kilowattstunden.

Durch diese eklatante Differenz werde der Vorteil der Passivhäuser beim Heizenergieverbrauch „nahezu nivelliert“. Doch auch in der aktuellen Auswertung sei deutlich zu sehen, dass es auf das Nutzungsverhalten der Bewohner ankommt: Es gebe in beiden Bauweisen Ausreißer nach unten wie oben.

Höhere Baukosten

Abgesehen davon, dass die dicke Dämmung der Passivhäuser nicht den gewünschten finanziellen Vorteil mit sich bringt, erhöhte diese Bauweise die Baukosten im Jahr 2012 laut GWW um 13,5 Prozent. Ein Quadratmeter Wohnfläche koste in der Herstellung rund 2100 Euro gegenüber rund 1850 Euro in der herkömmlichen EnEV-Bauweise.

Kremer betont, dass sich in einem Passivhaus bei korrekter Nutzung durchaus Energie und somit Geld sparen lasse. „In den EnEV-Häusern gibt es Mieter, die einen jährlichen Heizenergiebedarf von lediglich 8,41 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche haben, im benachbarten, baugleichen Passivhaus liegt der Minimalwert bei 5,54 Kilowattstunden.“

Bemerkenswert an diesen Minimalwerten sei zudem, dass man auch mit einem EnEV-Haus von 2009 einen Heizenergieverbrauch erreichen kann, der unter dem Richtwert von 15 Kilowattstunden liegt und damit den Passivhaus-Standard sogar noch unterschreitet. „Auch die Ergebnisse unseres zweiten Monitoring-Berichts verdeutlichen, dass man die Rechnung nicht ohne die Nutzer machen kann“, betont der GWW-Geschäftsführer.

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