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Park(ing) Day Wiesbaden Stricken auf dem Parkplatz

Mit vielfältigen Aktionen wollen Wiesbadener beim Park(ing) Day zum Nachdenken anregen und Verkehrsteilnehmer miteinander ins Gespräch bringen.

Eine Parkplatz Besetzung. Foto: Renate Hoyer

Steine werden zu einer Spirale zusammengesetzt, Menschen spielen Karten, es gibt Konzerte. Es ist Park(ing) Day in Wiesbaden. Und auch in anderen Städten funktionierten gestern zahlreiche Anwohner kurzerhand Parkplätze zu gemütlichen Wohlfühloasen um.

Ina Dressler hat vor ihrem Café Anderswo an der Blücherstraße einen bunten Teppich ausgelegt, einen Stuhl aufgestellt und strickt. Unweit von ihr erstellt eine Künstlerin Bilder aus heißem Wachs. „Wir sind halt einfach anders und machen beim Parking Day mit, damit die Stadt endlich die katastrophale Parkplatzsituation in Wiesbaden löst“, sagt Dressler. Im Westend nach 20 Uhr einen Platz fürs Auto zu finden, ist fast unmöglich, mittlerweile hat Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) Fahrspuren nachts zum Parken freigegeben – Platz, an dem eigentlich Radspuren entstehen könnten, die in Wiesbaden dringend fehlten, monieren Kritiker.

Ursprünglich kommt der Aktionstag aus San Francisco und hat genau das zum Ziel, was Dressler andeutet: Die Menschen in der Stadt sollen sich Gedanken machen um den öffentlichen Parkraum. Darüber nachdenken, ob zu viele oder zu wenige Parkplätze vorhanden sind, ob und wie man den Parkdruck entschärfen kann. Wie man ein Gleichgewicht zwischen allen Verkehrsteilnehmern herstellen kann – zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern.

Die Aktion ist Wasser auf den Mühlen des Wiesbadener Bündnisses Verkehrswende. Es setzt sich seit fünf Jahren für eine Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer ein. „Wiesbaden ist eine autozentrierte Stadt“, sagt Dirk Vielmeyer, Sprecher des Bündnisses. Eine Million Quadratmeter seien für Parkplätze freigegeben. Der Bestand an Fahrzeugen ist in Wiesbaden in den vergangenen 20 Jahren um 20 Prozent auf etwa 155 000 Fahrzeuge gestiegen – für Vielmeyer viel zu viele. Schließlich hatte ein Gericht die Stadt Wiesbaden im Januar zur Einhaltung der Luftreinhaltepläne verdonnert. Verbannen will Vielmeyer die Autofahrer jedoch nicht. „Es geht um ein Mit-, nicht um ein Gegeneinander.“

Während der Tag im Westend zum größten Teil friedlich verläuft, kochen an anderer Stelle die Emotionen hoch. Die Inhaberin eines Bekleidungsgeschäfts an der Burgstraße unweit des Kurhauses macht aus ihrem Unverständnis keinen Hehl: „Wer immer das auch genehmigt hat, der hat doch einen Knall“, sagt sie wütend. Parkplätze vor der Tür seien enorm wichtig für ihre Kundschaft. So eine Aktion sei völlig überflüssig.

Auch Schüler machen mit

Doch genehmigt hat die Aktion niemand. Die Parkplätze wurden besetzt – gegenüber ihres Geschäfts sind gleich mehrere blockiert: zwei von Mitarbeitern der Agentur Scholz & Volkmer, die Zukunftsideen präsentieren. Auf zwei weiteren haben sich Aktivisten von Greenpeace breitgemacht, und ganz vorne an der Ecke zu Wiesbadens Nobelstraße haben Schüler der IGS Kastellstraße auf vier Parkplätzen eine Spirale aus Steinen zusammengetragen.

Kira Macholl und Merle Möller (beide 15) erklären den Passanten geduldig die Idee der Kunstaktion. „Ich finde einen solchen Tag gut“, sagt Kira Macholl. Es sei wichtig, dass darüber diskutiert werde, den Fahrradverkehr in der Innenstadt zu stärken und nicht noch mehr Parkplätze zu schaffen. Das sehen Lehrerin Silke Hermann und Elternvertreter Marcus Wenig genauso. „Außerdem ist es wichtig, den Schülern zu zeigen, dass sie sich nicht alles gefallen lassen sollen, sondern dass sie sich wehren können – auch friedlich“, sagt Wenig.

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