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Museum Wiesbaden Volker Rattemeyer geht

Aus einem „Bilderfriedhof“ machte er das „Museum des Jahres“: der Leiter des Landesmuseums Wiesbaden, Volker Rattemeyer. Nun geht er nach 23 Jahren in den Ruhestand.

21.09.2010 17:51

Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) verabschiedete den 67-jährigen Museumsmann am Dienstag offiziell. „Sie haben sich um das Museum und damit um das Land verdient gemacht“, sagte sie. Ein neuer Direktor soll noch in diesem Jahr benannt werden.

Das Museum ist vor allem für seine Sammlung von Gemälden des expressionistischen Malers Alexej Jawlensky (1864-1941) bekannt, der seine letzten Jahrzehnte in Wiesbaden verbrachte. Die nächste große Ausstellung „Vom Blauen Reiter zum Abstrakten Expressionismus“ wird am 31. Oktober eröffnet.

Als Rattemeyer 1987 sein Amt antrat, war das Haus in schlechtem Zustand. Einen „Bilderfriedhof“ nannte es der Wiesbadener Kurier im Rückblick. Das 1915 errichtete Gebäude war baufällig. 300 Eimer unter dem Dach hätten das eindringende Regenwasser aufgefangen, sagte Kühne-Hörmann. Unter Rattemeyers Leitung wurde das Museum seit 1991 saniert. 2011 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. „Man kann es als Ihr Lebenswerk bezeichnen, was aus diesem Museum geworden ist“, lobte ihn die Ministerin.

„Neuerfindung des Museums“

Von einer „Neuerfindung des Museums“ sprach der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU). Rattemeyer vervollständigte die Sammlung seines Hauses in der klassischen Moderne. Daneben veranstaltete er Sonderschauen mit zeitgenössischen Künstlern wie Eva Hesse, Jochen Gerz und Rebecca Horn. Horns Spiegel-Installation „Jupiter“ ziert heute das prunkvolle Achteck im Eingangsbereich des Museums.

Rattemeyers Einsatz für die „sprödere Kunst des 20. Jahrhunderts“ wie Arte Povera oder Minimal Art trug ihm oft Unverständnis in Wiesbaden ein. Er schärfte aber das Ansehen des Hauses bei der Kunstkritik und brachte ihm 2007 den Ehrentitel „Museum des Jahres“ ein.

Doch nicht alle Wiesbadener schätzten die Arbeit Rattemeyers. Vielmehr stand der 67-Jährige in der Dauerkritik, dass er zugunsten der modernen Kunst die Sammlung nassauischer Altertümer und die naturwissenschaftliche Sammlung vernachlässigt und in den Keller verbannt habe. Dabei sollten alle drei Sparten gleichberechtigt unter einem Dach zusammengeführt werden. Doch Rattemeyer hielt es für unvereinbar, die hochkarätige Kunstsammlung neben alten Uniformen des nassauischen Herzogs Adolf, aufgespießten Käfern und ausgestopften Tieren unter einem Dach zu präsentieren. Dass Rattemeyer dem Wiesbadener Landesmuseum damit zu großem Ansehen verhalf, konnte seine der Stadtgeschichte verbundenen Kritiker nie trösten. ( dpa / byb)

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