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Mann Mobilia will alles abreißen

Möbelhaus ändert Pläne, der Magistrat stimmt zu / Eilverfahren könnte scheitern

Einen völlig neuen Möbelmarkt will der Konzern errichten. Foto: Oeser

Mario Bohrmann ist sauer. Am gestrigen Dienstag erfuhr der Sprecher der Initiative für mehr Lebensqualität – Biebricher gegen Verkehr XXL von den geänderten Plänen des Möbelhauses Mann Mobilia. Und davon, dass der Magistrat sie durchgewunken und an die Ortsbeiräte weitergeleitet hat. „Das ist doch ein abgekartetes Spiel“, sagt Bohrmann. Und verweist auf ein laufendes Eilverfahren, das unter den gegebenen Umständen wohl scheitern dürfte, befürchtet er.

Mann Mobilia will nicht mehr nur das Mitnahmecenter abreißen, sondern das gesamte Möbelhaus, um an derselben Stelle neu zu bauen. Die Verkaufsnutzfläche soll etwas verkleinert werden. Geplant sind 42806 Quadratmeter. Die neuen Pläne sehen außerdem vor, dass die Tiefgarage sich nun überwiegend unter dem gesamten neuen Gebäude befindet. Zudem werden mehr Stellplätze entstehen. Der Stellplatzbedarf steigt von 1066 auf 1145.

Auch für die geplante Glaskuppel auf dem Gebäude gibt es Änderungen: Die zulässige Höhe von 17 Metern wird nicht mehr um 4,35 Meter überschritten, sondern nur noch um 2,60 Meter. Änderungen will Mann Mobilia auch an der Tiefgaragenein- und -ausfahrt: Sie soll aus der Anpflanzfläche parallel der Äppelallee herausgenommen und an die östliche Gebäudeseite verlegt werden. Gerade um Glaskuppel und die Begrünung hatten die Gegner der Pläne in der Vergangenheit unter anderem gestritten. Laut Stadtplanungsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) könne nun entlang der Äppelallee gemäß der Vorgaben des Bebauungsplanes gepflanzt werden, was sie als Vorteil wertet.

Zudem weist Möricke auf weitere Verbesserungen hin, die die neuen Pläne mit sich brächten. Künftig könnten Kunden aus allen Richtungen in die Tiefgarage fahren, was für weniger Verkehr auf dem Grundstück sorge. Durch das Abrücken des Neubaus vom Äppelalleecenter ergäben sich zudem verbesserte Rettungswegsituationen.

Für Bohrmann und seine Mitstreiter ändern diese angepriesenen Verbesserungen nichts an der Tatsache, dass „Mann Mobilia dort nicht bauen dürfte“. Im November hatte seine Initiative einen Baustopp vor Gericht beantragt. Man habe sich gute Chancen ausgerechnet. „Schließlich haben wir mit Gutachten belegt, dass die Verkehrsbelastungen schon heute über der Grenze des Vertretbaren liegen.“ Doch bislang habe das Gericht noch nichts entschieden. „Ob es jetzt überhaupt noch über unseren Antrag entscheiden kann, jetzt, da sich die Pläne geändert haben, muss juristisch geprüft werden“, sagt Bohrmann. „Das ist doch ein schmutziges Spiel. Ich werde den Verdacht nicht los, dass Stadt und Möbelhaus gemeinsame Sache machen, um die Pläne durchzusetzen“, fügt er hinzu.

Die Konzernleitung des Möbelhauses wollte sich gestern zu den Plänen nicht äußern. Man bitte um Verständnis, „dass wir uns aufgrund des laufenden Eilverfahrens derzeit nicht zu Details des Bauprojekts äußern können“. Ob das Eilverfahren jedoch unter den geänderten Bedingungen aufrechterhalten werden kann, muss derzeit überprüft werden.

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