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Malerin Christa Moering Ein Lebenswerk einsammeln

Die Künstlerin Petra von Breitenbach erarbeitet einen umfangreichen Katalog über das Schaffen ihrer Wiesbadener Kollegin Christa Moering. Gesucht sind vor allem Sammler der Werke.

30.03.2011 17:08
Mirjam Ulrich
Christa Moering hat ihre Erinnerungen veröffentlicht. Foto: FR/Oeser

Auf der Suche nach den Gemälden von Christa Moering erlebt Petra von Breitenbach immer wieder Überraschungen. Etwa, als ihr Entwürfe für Wandgemälde in die Hände fielen. „Ich wusste gar nicht, dass Christa Moering solch monumentalen Werke geschaffen hat“, sagt Petra von Breitenbach. Die beiden Künstlerinnen kennen sich ein Vierteljahrhundert und sind gut befreundet.

Produktives Leben

Bis Christa Moering in ein Altenheim zog, hat Petra von Breitenbach sie jahrelang betreut – jetzt kümmert sie sich um ihr Werk. Sie erstellt einen Katalog, der einen umfassenden Überblick über Christa Moerings künstlerisches Schaffen geben soll. Die Malerin sei in ihrem langen Leben unglaublich produktiv gewesen, habe sich so verausgabt und verströmt, sagt ihre jüngere Kollegin. „Mit dem Katalaog sammeln wir ihr Lebenswerk wieder ein.“

Bis auf wenige Bilder hat Moering ihre Arbeiten alle verkauft, als alleinerziehende Mutter einer Tochter war sie schließlich darauf angewiesen, Geld zu verdienen. Andere Werke hat sie eingetauscht, beispielsweise gegen ärztliche Behandlung, und nicht zuletzt verschenkt. Bei ihren Recherchen für den Katalog höre sie überraschende Geschichten, wie großzügig Moering mit ihren Bildern umgegangen sei, erzählt Petra von Breitenbach.

Auf die Idee, ein Werkverzeichnis zu erstellen, kam sie, als sie die Ausstellung zum 90. Geburtstag der Wiesbadener Ehrenbürgerin vorbereitete, die 2007 im Projektbüro Stadtmuseum gezeigt wurde. Für das Projekt konnte sie die Foto-Designerin Silvia Frey und die Wiesbadener Verlegerin Ursula Reichert gewinnen, die Moering seit ihrer Kindheit kennt und sehr schätzt. „Große Werkkataloge werten Künstler auf“, erläutert die Initiatorin deren Bedeutung.

Mit dem geplanten Verzeichnis wollen Petra von Breitenbach und Ursula Reichert die verschiedenen Schaffensphasen und Brüche zeigen. Zwar gibt es bereits einen großen Werkkatalog von 1992, doch der enthält „nur“ 80 Bilder. Das ist ein Bruchteil von Moerings Werk, allein die Stadt besitzt etwa 40 Gemälde aus verschiedenen Jahrzehnten. Der neue Katalog soll daher nicht nur viel mehr Werke enthalten, sie werden auch Moerings Tagebüchern aus den Jahren 1944 bis 1965 gegenübergestellt.

„Sie hat zeitlebens Tagebuch geführt, aber wir begrenzen es auf diesen Zeitraum, weil es die Essenz ihrer gesamten Persönlichkeit und ihres Werkes darstellt“, begründet von Breitenbach ihre Auswahl. Die Tagebücher handelten auch von den Freundschaften und deren geistiger Qualität. Querverweise stellen im fertigen Katalog zudem die Verbindung zwischen ihren Gedanken über ihre künstlerische Arbeit und den jeweiligen Bildern her.

Kunsthistorische Einordnung

Des Weiteren wird der Kunsthistoriker Reinhard Zimmermann Moerings Leben und Werk in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts einordnen. „Gerade in Wiesbaden wird der Kampf der beiden Antipoden abstrakte und gegenständliche Malerei deutlich“, sagt die Verlegerin Ursula Reichert. So habe sich Christa Moering entgegen aller Trends bewusst für die gegenständliche Kunst entschieden. „Auch sie will mit Farbe ihr Gefühl transportieren.“

Für den Werkkatalog hat das Kuluramt insgesamt 15000 Euro bereitgestellt, das reichte, um 23 Sammlungen zu fotografieren. Inzwischen haben sich jedoch weitere Besitzer gemeldet, sodass bislang allein 115 Ölbilder fotografiert wurden. „Es ist wichtig, möglichst viele Werke zu erfassen, denn nochmals wird man keinen Katalog machen“, stellt Reichert klar. Sie schätzt die Herstellungskosten auf rund 70000 Euro. Die beiden Frauen hoffen daher auf Sponsoren. „Wenn Bilder in einen Katalog kommen, wertet das die Bilder auf“, sagt von Breitenbach.

Sie rechnen jetzt mit etwa 250 Ölbildern, 100 guten Pastellen und unzähligen Aquarellen. Dabei fehlen noch Arbeiten aus der Zeit vor 1950: „Bislang ein weißer Fleck“, bedauert von Breitenbach. Auch in Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Naumburg, Stettin und der Schweiz vermutet sie noch Bilder. Gern möchte sie außerdem herausfinden, ob die Wandgemälde, die Moering für Wiesbaden entwarf, jemals verwirklicht wurden. Vielleicht erlebt sie ja bei ihrer Suche wieder eine Überraschung.

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