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Mainz/Wiesbaden Emma bremst, bevor es brenzlig wird

Der autonome Kleinbus ist zu Testzwecken auf der Winterhafen-Promenade unterwegs. Angst brauchen Passagiere nicht zu haben. Es gibt zwar keinen Chauffeur, aber der Operator ist immer dabei.

Pilotprojekt Autonomes Fahren / EMMA autonomer Elektrokleinbus, Mainz, Bild x von 12
Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Die aussteigenden Passagiere wirken entspannt. Senioren darunter, also nur Mut. Mit Emma zu fahren, wird wohl kein Nervenkitzel sein, auch nicht für Leute mit ausgeprägtem Sicherheitsdenken. Emma ist ein autonom fahrender Elektrokleinbus, der probehalber in Mainz zwischen der Malakoff-Terrasse und dem Ruderverein auf der 700 Meter langen Winterhafen-Promenade pendelt.

Es gibt kein Steuer und keinen Fahrer, aber es gibt den Operator, einen Mann im weißen Hemd. Er trägt einen X-Box-Controller mit sich, ein kleines Gerät, mit dem er das Kommando übernehmen könnte, sollte sich Emma nicht an die einprogrammierte Wegstrecke oder Höchstgeschwindigkeit halten. „Bisher musste er noch nicht einschreiten“, erklärt Verena Reuber, Projektleiterin Autonomes Fahren bei der R+V-Versicherung, die mit der Verkehrsgesellschaft Mainzer Mobilität für Emmas Pendelverkehr verantwortlich ist und sie maßgeblich finanziert. Tätig seien Operatoren nur geworden, wenn die GPS-Technik mal aussetze, was ab und an vorkomme, berichtet Reuber. Dann habe Emma einfach nicht weiter gewusst. Das beruhigt.

Sechs Busfahrer hat die Mainzer Mobilität zu Operatoren geschult. Laut Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968 müsse ein Mensch das Fahrzeug jederzeit übersteuern können, so Reuber. Bis es tatsächlich autonom fahrende Fahrzeuge ohne menschlichen Begleiter gebe, dauere es noch sehr lange. Es gebe noch viele offene Fragen. Zum Beispiel verständigten sich Verkehrsteilnehmer oft über Blickkontakt. Lächeln oder winken könne Emma nicht. Die Versicherung möchte mit dem Testlauf die Technik verstehen lernen, um die Risiken und Kundenbedürfnisse absichern zu können. Die Tour in Mainz ist das vierte Testfeld; zum ersten Mal wurde autonomes Fahren am Frankfurter Flughafen für den Mitarbeitertransport ausprobiert. „In Mainz geht es um Fahren im öffentlichen Raum“, sagt Reuber. Auch andere möchten den Test für Untersuchungen nutzen. Das Psychologische Institut Mainz interessiert sich für die Akzeptanz der Fahrgäste. Student Lukas Kretzschmar bittet sie, vor und nach der Fahrt Fragebogen auszufüllen.

Wird es zu eng, hält Emma an

Acht Personen fasst der Kleinbus. Kindergartenkinder und ihre Erzieher nehmen Platz. Anschnallen. Emma klingelt - es geht los. Mit maximal elf Kilometern in der Stunde rollt sie die Promenade entlang, die ansonsten Fußgängern und Radfahrern vorbehalten ist. Zum Zeichen, dass Emma wirklich allein fährt und der Operator nicht seine Finger im Spiel hat, streckt er die Hände in die Höhe. Bildschirme zeigen, was neben und hinter dem Fahrzeug passiert, wie Außenspiegel. Ein Radfahrer biegt von der Molenbrücke aus in die Promenade ein und scheint sich darauf zu verlassen, dass Emma ihm die Vorfahrt lässt. Tut sie, sie bremst ab. Auch andere Radler kreuzen die Strecke. Es wirkt, als wollten sie testen, ob Emma wirklich auf Hindernisse reagiert. Sie stoppt, da war ihr die Nähe doch zu groß.

Drei Meter nach vorne und 40 Zentimeter an den Seiten möchte Emma Abstand halten. Wird dieser Abstand unterschritten, hält sie einfach an. Streng genommen ist Emma kein autonom fahrendes, sondern ein hoch automatisiertes Fahrzeug. Sie denkt nicht selbst, sondern führt aus, was der Computer von ihr verlangt. Deshalb seien vor allem jüngere Menschen enttäuscht, erzählt Reuber. Am Ruderverein fährt Emma einen großen Bogen und begibt sich auf Rückfahrt. Niemand möchte aussteigen.

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