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Lutherkirche Schöner als der erste Schein

Die Lutherkirche im Dichterviertel wird 100 Jahre alt. Von außen wirkt sie nicht unbedingt imposant. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen - wie so oft zählen auch hier die inneren Werte.

30.12.2010 16:14
Heike Bökenkötter
Pfarrerin Ursula Kuhn sitzt in einem wahren Schmuckstück. Foto: Rolf Oeser

Etwas unscheinbar wirkt sie für den Betrachter. Mit dem imposanten Eindruck, den die Marktkirche verbreitet, kann sie nicht mithalten. Und doch hat die Lutherkirche etwas Besonderes: Wer ihren Innenraum betritt, wird überrascht von der farbenfrohen, kunstvollen Bemalung, mit der Decke und Wände über und über geschmückt sind. 100 Jahre alt wird 2011 die im Dichterviertel gelegene Lutherkirche, die neben der Markt-, der Ring- und der Bergkirche zu den vier größten evangelischen Gemeinden in der Wiesbadener Innenstadt gehört. Gefeiert wird das Jubiläum im kommenden Jahr mit Gottesdiensten und vielen musikalischen Veranstaltungen.

Die Musik sei ein sehr wichtiger Teil der Gemeinde, die neben dem Bachchor auch insgesamt fünf Kinderchor-Gruppen hat, sagt Pfarrerin Ursula Kuhn, die seit zwei Jahren in der Gemeinde ist. Dass Musik hier eine so große Rolle spiele, hänge sicherlich vor allem damit zusammen, dass die Kirche zwei große Konzertorgeln habe. Eine Seltenheit. „Das kam, weil irgendwann von der Gemeinde beschlossen wurde, dass statt der Restaurierung der alten, baufälligen Orgel, einfach eine Neue angeschafft werden sollte. Später hat das Denkmalamt die Alte dann aber für erhaltenswert erklärt und die Kosten für die Restaurierung übernommen. Deshalb haben wir jetzt zwei Orgeln, die auch zusammen Konzerte spielen können.“ Gegründet worden war die Lutherkirchengemeinde im Jahr 1908 aus der Ringkirche heraus, weil Wiesbaden stark wuchs und mehr Menschen Unterschlupf in den Gemeinden suchten. 1911 war dann das dazugehörige Bauwerk vollendet und konnte mit einem großen Festgottesdienst am 8. Januar 1911 eingeweiht werden.

Die Bemalung im Inneren sei aber nicht immer vorhanden gewesen, sagt die Pfarrerin. Die Kirche selbst habe im Krieg zwar keine Bomben abbekommen, durch die Druckwelle einer anderen Bombe sei das Dach aber beschädigt worden. „Bei der darauf folgenden Renovierung wurde die Decke dann einfach weiß getüncht und die Malereien verschwanden“, so Kuhn. In den 80er Jahren habe man mithilfe der alten Pläne die farbenfrohe Bemalung wieder neu angebracht.

Direkt in die Kirche

Und noch etwas Besonderes habe die Kirche: Zunächst einmal sei sie ein multifunktionales Gebäude, in dem Pfarrhaus und Kirche direkt miteinander verbunden sind. „Man kann also vom Pfarr- und dem Gemeindehaus, ohne das Haus zu verlassen, in die Kirche kommen“, sagt die Pfarrerin. Daneben sei der Kirchenraum so gestaltet, dass man ohne Behinderung durch Säulen von jedem Platz aus den Altar sehen könne. Durch die leicht ansteigenden Bänke schienen auch die Zuschauer in der letzten Reihe nicht weit weg zu sein.

Als erste Veranstaltung im Festjahr wird am 8. Januar um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Muttergemeinde Ringkirche gefeiert und anschließend in den Räumen der Lutherkirche gefrühstückt.

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