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Landesmuseum Wiesbaden Der Sammler kommt nach Hause

Erstmals ist eine der bedeutendsten deutschen Privatsammlungen in der Heimat ihres Besitzers zu sehen. FR-Redakteur Michael Grabenströer hat den leidenschaftlichen Sammler Frank Brabant getroffen und mit ihm über die Zukunft der kostbaren Kunstwerke gesprochen.

14.10.2010 11:18
Michael Grabenströer
Beim Wiesbadener Kunstsammler Frank Brabant hängen die Gemälde dicht an dicht an den Wänden. Foto: Michael Schick

Manchmal führt der Weg ins Landesmuseum erst umständlich über New York, Tel Aviv oder Oslo, obwohl es nur um die Ecke liegt. Diese Liste der internationalen Städtenamen ist nicht vollständig. Frank Brabant (72) brauchte über vier Jahrzehnte, bis er diesen Weg zurückgelegt hat.

Brabant, seit mehr als 40 Jahren Wiesbadener, ist jetzt im Landesmuseum angekommen – mit einem Teil der Kunstwerke, die der Sammler aus Leidenschaft zusammengetragen hat. Und vielleicht – Brabant ist in dem Alter, in dem man auch über sein Erbe nachdenken darf – werden einige Stücke im Landesmuseum, kurz Museum Wiesbaden genannt, verbleiben. Denn für seine Sammlung, in internationalen Kunstkreisen als „Sammlung Brabant“ bekannt, geschätzt und vielfach ausgeliehen, plant der 72-Jährige die Gründung einer Stiftung.

Doch bevor er sich an das Aufteilen seiner Sammlung von über 350 Stücken macht, will er noch möglichst lange sein Sammlerleben weiterführen. Seine Heimatstadt Schwerin soll einen Teil erhalten, im westfälischen Kreis Unna wird er ein eigenes Museum „Haus der Moderne“ bekommen. Begonnen hatte alles in der ehemaligen DDR mit dem Entschluss, „in den Westen zu machen“ – ordentlich mit einer Fahrkarte nach Leipzig ausgestattet, nahm er doch den Zug weiter westwärts. Mit ganz kleinem Gepäck, damit er den Grenzern nicht auffiel. Denn es war die Zeit, als man aus der DDR noch kontrolliert in den Westen reisen durfte. „Junge Menschen wurden aber argwöhnisch von den Grenzern beäugt“, sagt er. Das war 1958.

Brabant landete in Wiesbaden, wurde Angestellter einer Versicherung. Später dann gründete er die Diskothek „Big Apple“ – dann noch eine. Das Geschäft brummte. Es war bei einem Termin in Frankfurt, als er 1964 eher zufällig in eine Galerie geriet, um sich das Warten zu verkürzen. Häppchen und Sekt gab es. „Das war ungewohnt für mich Ostler“, erinnert sich Brabant. Er fühlte sich fast zum Kauf verpflichtet. So erstand er einen Holzstich von Max Pechstein. „Der Name sagte mir damals nichts. Picasso ja, aber Pechstein?“ 300 Mark zahlte er – und das bei einem Monatsgehalt von 350 Mark.

Mit diesem Kauf wurde er zum Sammler, der sich nun über Pechstein kundig machte und so der Kunst verfiel. Viele weitere Käufe folgten im Laufe der Jahrzehnte. Die Rede ist etwa von expressionistischen Werke n von Alexej von Jawlensky, Emil Nolde, Franz Marc, August Macke – bis hin zur Kunst der Gegenwart. Brabant wurde zum Kenner. Die Sammlerleidenschaft hatte ihn gepackt. Sein Geld wollte er nicht in Autos anlegen. Obwohl er in den 60er Jahren für einen todschicken Käfer sparte.

Das Geld investierte er in Bilder. Sie hatten es ihm angetan. Brabant sammelte das, was er sich leisten konnte, vorrangig verschollene und vergessene Künstler. „Natürlich sammelte ich auch auf Kredit“, gesteht er vor Zimmerwänden, die mit Bildern verhängt sind.

Die Ausstellung „Bilderleidenschaft“ wird am Sonntag, 17. Oktober, 11.30 Uhr, im Museum Wiesbaden eröffnet. Sie dauert bis zum 2. Januar. Details online: www.museum-wiesbaden.de

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