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Kuratorium Junger Deutscher Film Verborgene Talentschmiede

Ob Wenders, Fassbinder oder Tykwer: Seit 45 Jahren werden unterm Dach des Biebricher Schlosses Filmprojekte gefördert.

03.11.2010 15:31
Michael Grabenströer
Schauspielerin Sibel Kekilli vor dem Plakat des Films "Die Fremde" Foto: dpa

Hier oben müssen sie alle schon einmal gesessen haben – Herzog, Wenders, Reitz, Tykwer, Kluge, Fassbinder. All die großen Namen des deutschen Films. Irgendwann haben auch sie klein angefangen, Förderung erbeten für Projekte, Drehbücher und Ideen. Denn unter den Dächern des Biebricher Schlosses sitzt nicht nur die Filmbewertungsstelle sondern auch das Kuratorium junger deutscher Film. Seit 45 Jahren werden hier Filmemacher-Karrieren gefördert. „Mit immer weniger Geld“, klagt Geschäftsführerin Monika Reichel.

Sie sitzt in ihrem Mansarden-Reich im Schloss zwischen Filmplakaten von „Metropolis“ und neuen jungen Erfolgsfilmen wie „Die Fremde“ von Feo Aladag. „Ein Streifen, der für den Oscar nominiert wurde“, sagt sie. Denn auch mit wenig Mitteln werden in Wiesbaden Impulse gesetzt. Das Geld kommt von den Ländern. „Wir sind die einzige länderübergreifende Bundesfilmförderung.“

Eine Konstruktion, die in den letzten 45 Jahren nicht immer unproblematisch war. Auf dem schmalen Grad zwischen der Kulturhoheit der Länder und Bundesinteressen ist die Förderung des jungen Nachwuchses angesiedelt.

Der Reiz des Kuratoriums hat bisher noch nicht nachgelassen, sagt Reichel in ihrem „Schatzraum der Filmideen und Projekte“. Dort liegen die eingereichten Vorschläge, über die bald bei der Herbstkonferenz in Wiesbaden entschieden werden wird. Tagungen von der beständigen Regelmäßigkeit einer Bischofskonferenz: Die Frühjahrskonferenz in Berlin, die Herbstkonferenz mit den Entscheidungen über die Projektförderung in Wiesbaden. Im Schatzraum liegen Skripte, Drehbücher, Filmkassetten mit Referenzarbeiten – alles in mehrfacher Ausfertigung für das Kuratorium. Ein Raum wie ein Zukunftsarchiv des jungen, deutschen Films, der für manche aber auch ein Hort der verlorenen Hoffnung sein dürfte. Zwei Bewerbungen sind für einen Projektvorschlag erlaubt. Allerdings muss die zweite Präsentation dann modifiziert und neu bearbeitet sein.

Denn wen das Kuratorium junger deutscher Film als förderungswürdig auswählt, der hat mit diesem Gütesiegel alle Chancen auf zusätzliche Förderungen von anderen Institutionen.

Denn mit dem Förderpreis des Kuratoriums, maximal 50000 Euro, kann man keinen Film drehen, sagt Reichel, die die wichtigsten Festivals in Deutschland, von der Berlinale bis zum Max-Ophüls Festival kennt. Denn das gehört für die Geschäftsführung dazu. „Doch nicht im First-Class-Hotel sondern in der Pension“, sagt Reichel und lacht. Man treffe sich dann sowieso bei den Filmpreisempfängen. Der Flug nach Los Angeles zur Oscarverleihung oder die Stippvisite in Cannes bei den Filmfestspielen, die sind nicht drin für die Förderer des jungen deutschen Films in der Mansarde.

Doch nichts gegen eine Mansarde in einem Schloss – von Beengtheit ist hier keine Spur, eher herrscht unter dem Dach Weitläufigkeit und Weitsicht. Bald ist es wieder soweit: Dann entscheidet das Kuratorium im Filmsaal der Filmbewertungsstelle bei der Herbsttagung über förderwürdige Projekte.

Dann geht es auch um junge Filmschaffende, die in die Riege der deutschen Filmgrößen mit Rückenwind des Kuratoriums aufrücken können. Denn es ist nicht nur allein das Geld, sondern die Auswahl des Kuratoriums, die den Weg der Kandidaten mit befördert.

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