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Kunstrad-Weltmeisterinnen Handstand auf dem Lenker

Sandra Sprinkmeier und Katrin Schultheis sind ein eingespieltes Team. So haben es die beiden Freundinnen schon zum dritten WM-Titel gebracht. Von Matthias Klein

20.11.2009 00:11
Matthias Klein
Denken noch lange nicht ans Aufhören: Katrin Schultheis (links) und Sandra Sprinkmeier. Foto: FR/Oeser

Wenn die Musik ertönt und die Kür beginnt, dann ist alle Aufregung wie weggeblasen. Langsam setzen sich Sandra Sprinkmeier und Katrin Schultheis auf ihre Fahrräder. "Wir sind voll konzentriert. Wir kriegen weder mit, wie die Zuschauer reagieren, noch hören wir bewusst unsere Musik." Und los geht´s: Sie steigen auf den Lenker, turnen über den Sattel, bewegen sich synchron auf dem Rad. Und schließlich zeigt Sandra Sprinkmeier einen perfekten Handstand auf dem Lenker - während Katrin Schultheis weiter in die Pedale tritt. Die beiden Mainzerinnen lieben das Kunstradfahren. Auf einem oder zwei Fahrrädern zeigen die Partnerinnen spektakuläre Turnübungen. Gerade haben sie zum dritten Mal hintereinander den Weltmeister-Titel gewonnen.

Kurze Kommandos

Die Geschichte beginnt vor 14 Jahren. Sandra Sprinkmeier brachte damals ihre Freundin Katrin Schultheis zu dem Sport. "Mir hat es gleich gut gefallen. Es ist toll, wie sehr man das Rad beherrschen kann." Seit 2002 fahren die beiden 25-Jährigen in der deutschen Nationalmannschaft. Fast jedes Wochenende ist das Duo in Sachen Kunstrad unterwegs, fünf Mal pro Woche steht Training auf dem Programm. Wenn man so oft zusammen ist, muss man sich mögen: "Wir sind Freundinnen", sagen die jungen Frauen.

Die beeindruckenden Übungen sind nur sehr schwer zu erlernen. "Für manche der Figuren braucht man mehrere Jahre, bis man sie endlich drauf hat", sagt Schultheis. Aus insgesamt 25 Elementen besteht ihre weltmeisterliche Kür, die es in fünf Minuten zu absolvieren gilt. Während der Fahrt sprechen die beiden Sportlerinnen kaum miteinander - gerade einmal fünf kurze Kommandos müssen genügen. "Wir sind die Kür vorher mental durchgegangen. Das läuft dann im Wettkampf automatisch ab", sagt Sandra Sprinkmeier. "Außerdem höre ich am Fahrgeräusch von Katrins Fahrrad, wie schnell sie fährt und ob alles klappt."

Bei der Weltmeisterschaft merkten die Sportlerinnen gleich, dass sie Chancen auf den Titel hatten. "Wir sind sehr gut zurechtgekommen, aber natürlich müssen wir uns bis zum Schluss voll konzentrieren. Ein Sturz hätte alles beendet." Dieses Mal mussten sie für die Titelkämpfe bis nach Portugal reisen - eine ganz neue Herausforderung. "Wir mussten unsere Räder für den Transport im Flugzeug total zerlegen. Natürlich haben wir uns Sorgen gemacht, dass ein Teil verbogen werden könnte", sagt Schultheis. Zum Glück ging alles gut.

Der Lohn der vielen Mühen: Nach dem dritten Weltmeistertitel stieg in ihrem Heimatort Mainz-Ebersheim ein großer Empfang, rund 1000 Menschen kamen zu der Ehrung. "Das war ein Riesen-Erlebnis für uns", sagt Sprinkmeier. Mit 25 Jahren gehören die Sportstudentin und ihre Partnerin, die als Physiotherapeutin arbeitet, schon zu den ältesten Fahrerinnen in der Weltspitze. Ans Aufhören denken sie noch lange nicht. "Wir wollen neue Übungen lernen", sagt Katrin Schultheis. "Das ist immer wieder eine tolle Herausforderung."

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