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Kulturpreis in Wiesbaden Gesellschaft für deutsche Sprache wird ausgezeichnet

Die Gesellschaft für deutsche Sprache erhält den Kulturpreis der Stadt Wiesbaden. Schließlich profitieren die Wiesbadener besonders von ihr.

Gesellschaft für deutsche Sprache
Andrea-Eva Ewels an der „Seele der Gesellschaft“, dem Zettelkasten. Foto: Michael Schick

Für Andrea-Eva Ewels und ihre Mitarbeiter in der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)ist der Dezember ein aufregender Monat. Dann wird nicht nur eine Prognose für die häufigsten Vornamen für die 2018 geborenen Babys veröffentlicht. Auch die Wörter des Jahres werden bekannt gegeben, die die öffentliche Diskussion besonders prägten. Am 14. Dezember ist es im Rathaus wieder soweit. Ob Hitzesommer, Diesel-Nachrüstung, Merkel-Rücktritt oder Heißzeit dabei sind?

Drei Tage früher, am kommenden Dienstag, hat die Geschäftsführerin einen weiteren Termin im Rathaus. Sie nimmt den Kulturpreis der Landeshauptstadt für die Gesellschaft entgegen. „Für alles, was wir für die Stadt tun“, sagt Ewels. Denn die Wiesbadener würden durchaus davon profitieren, dass die GfdS, deutschlandweit zuständig für Fragen zur Sprache, ihren Hauptsitz in der Wiesbadener Spiegelgasse hat. Sie können ihre Fragen sofort beantwortet bekommen. Sie spazieren einfach in das Büro hinein.

„Manche bringen Briefe mit und wir helfen bei der Formulierung“, erzählt Ewels. Andere haben Probleme mit Punkt und Komma. Seitdem die GfdS 2015 in ein einen renovierten Altbau drei Häuser vom früheren Sitz entfernt gezogen ist und dort über eine Bibliothek im Erdgeschoss verfügt, hat der Publikumsverkehr zugenommen. „Im Durchschnitt kommen vier bis fünf Leute am Tag,“ sagt die 48-jährige Sprachwissenschaftlerin, die der Gesellschaft seit 2010 vorsteht. Positiv wirkt sich die GfdS auch aus, wenn die Wiesbadener Post aus der Verwaltung erhalten, zumindest ist dies zu hoffen.

Bürgerfreundliche Sprache

Seitdem die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit den Ämtern der Landeshauptstadt in dem Pilotprojekt „Klartext“ die „Leitsätze für bürgerfreundliche Verwaltungssprache“ verfasste, sollten die Behördenbriefe verständlich formuliert sein. Zudem organisiert die GfdS sechs Veranstaltungen für ein sprachinteressiertes Publikum allein in Wiesbaden. Bis zu 150 sind es weltweit, die in den 102 Zweigstellen von Ehrenamtlichen durchgeführt werden. Es gibt sogar eine Zweigestelle im Polargebiet und eine in Togo.

Endet ein Satz mit einer E-Mail-Adresse, steht dann am Satzende ein Punkt? Und wenn die E-Mail-Adresse in Fettschrift steht, muss der Punkt auch gefettet sein? Mit Fragen wie diesen richten sich die Menschen mit über 5000 Sprachanfragen im Jahr an die drei Sprachwissenschaftler in der GfdS. GdfS-Mitarbeiter Lutz Kuntzsch sagt: „Ja, der Punkt muss sein, und gefettet wird er nicht.“ Etwa ein Drittel der Fragen bezieht sich auf Grammatik und Rechtschreibung, ein weiteres Drittel auf die Bedeutung, Herkunft und Zulässigkeit von Vornamen. Für Namen wie Bootsmann, Casablanca und Gift erteilte die GfdS den Standesämtern keine Empfehlung zur Zulassung. Amsel, Krabat und Napoleon dürfen die Kinder aber heißen, so ihr Urteil. Die restlichen Anfragen sind ein Mix. „Neulich wollte jemand, dass ich ein Gedicht aus dem Jahr 1982 finde“, berichtet Kuntzsch. Er sei nicht fündig geworden.

Seit ihrer Gründung 1947 sammelt die GfdS neue Wörter, und zwar in der „Seele der Gesellschaft“ oder der „Ewigkeitsdatei“, wie Ewels die riesigen Karteischränke nennt. Dort sind auf Karteikärtchen neue Begriffe bis 2007 dokumentiert. Als die Frankfurter Rundschau 1982 das Wort „Wegwerfliteratur“ schrieb, wanderte das Wort ebenso in den Wortfundus wie „Aerobik“ und „Aerobickerinnen“ aus einer FR von 1983. Die Bildzeitung steuerte 1993 „Affären-Oskar“ hinzu.

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