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Juden in Biebrich Geachtet und vertrieben

Die neue Ausstellung des Aktiven Museums Spiegelgasse befasst sich mit dem Schicksal der Biebricher Juden. Von Ralf Munser

12.10.2009 00:10
Ralf Munser

Das "Aktive Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden" stellt die Geschichte der Juden in Biebrich in den Mittelpunkt der dritten Dialogtage von heute an bis zum 30. Oktober. "Traditionell, patriotisch und engagiert - Jüdische Gemeinde- und Familiengeschichten von Wiesbaden-Biebrich" lautet der Titel der Veranstaltungsreihe. Begleitet wird sie von einer Ausstellung, die im Hessischen Museum für Wissenschaft und Kunst zu sehen ist.

Zwei Jahre Forschung hat Kerstin Zehmer, die derzeit über jüdische Geschichte in Wiesbaden promoviert und für das Museum arbeitet, in das Projekt gesteckt. "Für Biebrich gibt es eine relativ gute Quellenlage." Biebrich sei eine sehr alte Gemeinde, berichtet sie. Der erste Nachweis eines jüdischen Kaufmanns stamme aus dem Jahr 1600. Das Aktive Museum widme sich seit geraumer Zeit stärker der Forschung, sagt der Vorsitzende Karlheinz Schneider. "Wiesbaden ist eine Stadt, die bisher über jüdische Geschichte nicht geforscht hat", erklärt er.

Szenische Zeichnungen, Objekte und Fotos sollen die jahrhundertealte jüdische Geschichte Biebrichs wieder lebendig werden lassen. Aus der jüdischen Bevölkerung, die sich im 18. Jahrhundert ihr Bleiberecht noch durch einen Schutzbrief erkaufen musste, wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts integrierte und gleichberechtigte Bürger. Sie engagierten sich in Biebricher Vereinen und bestimmten die Geschichte des aufstrebenden Industriestandorts mit.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle jüdischen Familien, darunter auch diejenigen, deren Vorfahren schon über Jahrhunderte dort gelebt hatten, erst ausgegrenzt, dann verfolgt und schließlich aus ihrer Heimatstadt vertrieben oder ermordet. Die jüdische Geschichte von Biebrich ist eigens für die Ausstellung aufbereitet worden. Zu sehen ist die Schau im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Rheinstraße 23-25, bis zum 30. Oktober. Die Vernissage beginnt heute um 19 Uhr. Führungen für Schulklassen der Jahrgangsstufen sieben bis 13 sind nach telefonischer Anmeldung am 26. und 27. Oktober möglich.

Während der dritten Dialogtage des Aktiven Museums Spiegelgasse werden jeweils mittwochs um 18 Uhr Vorträge in dem Hessischen Ministerium angeboten: Rolf Faber befasst sich am 21. Oktober mit "Seligmann Baer - Ein Gelehrter zwischen höchsten wissenschaftlichen Ehren und dem bescheidenen Alltag als Religionslehrer der Jüdischen Gemeinde". Axel Ulrich und Rolf Faber referieren am 28. Oktober gemeinsam über "Toni Sender - eine sozialdemokratische Politikerin zwischen Hitler und Stalin".

Zum Programm der Dialogtage gehört ein Rundgang zu Stationen der jüdischen Geschichte in Biebrich am 20. Oktober. Treffpunkt ist um 16 Uhr an der Oranier-Gedächtniskirche. Anmeldung im Museum unter Telefon 0611 / 305221.

Zudem sind mehrere Workshops für Jugendliche. Im Fokus soll die Auswirkung von Geschichte auf das heutige Zusammenleben stehen. Der Jugendgeschichtstag ist für Donnerstag, 29. Oktober, geplant.

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