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ISUV Wiesbaden Hilfe in der Trennungs-Krise

Seit 25 Jahren gibt es in Wiesbaden den Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV). Er hilft bei seelische oder juristische Probleme mit Sorgerecht, Unterhalt, Steuer- oder Erbrecht.

05.08.2016 18:27
Irmela Heß
Eine Verbindung zu lösen, ist oftmals schwierig. Michael Schick Foto: Michael Schick

Wenn eine Trennung ansteht, stürmt alles auf einen ein. Man weiß erstmal gar nicht, was man tun soll“, erinnert sich Wolfgang Becker. Zu einer Zeit, als es noch kein Internet gab, konnte die Suche nach Informationen schwierig sein. Seine Mutter drückte ihm damals einen kleinen Artikel über Isuv aus einer Frauenzeitschrift in die Hand. Dort, beim Interessenverband Unterhalt und Familienrecht, fand er Ansprechpartner. „Mir wurde sehr geholfen“, sagt der 66-Jährige, der sich deswegen seitdem in dem Verein engagiert.

Seit 25 Jahren unterstützt die Wiesbadener Isuv-Kontaktstelle Menschen, die sich gerade in einer Trennungsphase befinden. Das Ziel: eine möglichst einvernehmliche und friedliche Trennung mit möglichst fairen Vereinbarungen für alle Beteiligten. Und möglichst wenig negativen Folgen für beteiligte Kinder.

Ursprünglich unterhielt man mit Mainz gemeinsam eine Kontaktstelle, vor fünf Jahren wurde Mainz dann selbstständig. Nach wie vor arbeitet man zusammen, gibt einen gemeinsamen Flyer heraus, der über Veranstaltungen informiert. Leiter der Wiesbadener Isuv-Kontaktstelle ist Holger Griesel. Auch er hat eine Trennung erlebt. „Mit hätte es gut getan, wenn ich mich schon vor der Ehe informiert hätte“, erzählt der 52-jährige Kriminalbeamte, der wie auch Wolfgang Becker in der Krisensituation beim Isuv hilfreiche Ansprechpartner fand. Er betont: „Je eher die Menschen zu uns kommen, desto besser ist es.“ Und Wolfgang Becker fügt hinzu: „Gerade am Anfang, wenn man noch emotional stark belastet ist, kann man vieles falsch machen. Da braucht man manchmal jemanden, der einen auf den Boden der sachlichen Tatsachen holt.“

Mit im fünfköpfigen Wiesbadener Aktiventeam ist auch eine Psychotherapeutin, die Wege aufzeigen kann, wie man die Situation seelisch bewältigen kann.

Ob verheiratet oder nicht, ob Scheidung oder Trennung anstehen, ob es um seelische oder juristische Probleme mit Sorgerecht, Unterhalt, Steuer- oder Erbrecht geht: In der Kontaktstelle findet man Ansprechpartner. „Wir können die Ehe nicht retten – und wir können auch die Gesetze nicht ändern“, sagt Griesel. „Wir machen auch keine Rechtsberatung. Aber wir hören zu und geben Informationen.“

Der erste Kontakt ist für alle Betroffenen kostenlos und unverbindlich, wer längere Betreuung möchte, wird Vereinsmitglied. Mitglieder erhalten unter anderem auch Berechtigungsscheine für eine Kurzrechtsberatung für 30 Euro bei Isuv-Kontaktanwälten, eine kostenfreie schriftliche Rechtsberatung pro Jahr, Zugriff auf die Urteilsdatenbank und einmal im Monat die Möglichkeit, Fragen in einem Chat zu klären.

Seitdem Wolfgang Becker und seine Frau sich getrennt haben, haben sich viele Gesetze etwa zum Unterhalt oder Sorgerecht geändert. So wurde früher das Sorgerecht einem Elternteil – meist war es die Mutter – zugesprochen. „Ich habe mich damals ziemlich entmündigt gefühlt“, erinnert sich Becker. „Ich musste Unterhalt für Frau und zwei Kinder zahlen, aber auf den Elternabend durfte ich nicht mehr gehen.“ Heute versteht er sich wieder gut mit seiner Frau und ist Opa von vier Enkelkindern.

Im Nachhinein sagt Becker: „Die Trennung war richtig. Wir haben einfach nicht zueinander gepasst.“ Auch das ist ein Aspekt der Arbeit bei Isuv: zu vermitteln, dass das Leben nach einer Trennung weiter geht, dass in einem Neubeginn auch eine Chance liegt. Griesel: „Aber der Neustart ist leichter, wenn man die eigenen Strukturen kennt – damit man beim nächsten Partner nicht die gleichen Fehler macht.“

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