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Interview mit Festivalleiterin "Es gibt keine Preise, aber wertvolle Anregungen"

Alia Pagin, Projektleiterin der Werkstatt der Jungen Filmszene, spricht im FR-Interview über das Festival, Workshops und Trends.

18.05.2010 00:05

Frau Pagin, Sie sind Projektleiterin des Festivals der Jungen Filmszene. Was passiert da?

Das Festival veranstaltet der Bundesverband Jugend und Film, der in Frankfurt sitzt. Einmal im Jahr arrangieren wir ein Treffen für junge Filmemacher aus dem ganzen Bundesgebiet und wählen Filme aus von 45 Sekunden bis 45 Minuten, manchmal sogar länger. Ein Festival also. Aber wir tun noch mehr: Wir bilden ein Netzwerk für die Jungfilmer, schicken regelmäßig einen Newsletter mit wichtigen Tipps herum, veranstalten Workshops zum und über das Filmemachen.

Wie jung ist Ihr Junger Deutscher Film wirklich?

Sehr jung. Wir haben einen Film, den Kindergartenkinder unter medienpädagogischer Anleitung gedreht haben, ebenso im Programm wie Streifen von jungen Leuten, die schon an Filmakademien vor ihrem Abschluss stehen. Bei uns gibt bis es zwei Kategorien - unter 18 und zwischen 18 und 26 Jahren. Im Programm werden die beiden Kategorien aber vermischt gezeigt.

Mit Ihrem Festivalforum sind Sie nun ein Vierteljahrhundert in Wiesbaden. Warum in der Kurstadt, die doch eher ein bürgerliches als ein szenisches Image verbreitet?

Festivalforum - das beschreibt diese Mischung zwischen Workshop und Festival. Bei uns gibt es keine Preise, aber wertvolle Anregungen. Und Wiesbaden, das ist ganz einfach: Wir haben einen Veranstaltungsort, das Wilhelm-Kempf-Haus, in dem vier Tage lang junge Menschen, die Filme machen, leben und sich vernetzen.

Was ist an Wiesbaden so inspirativ ?

Genauer gesagt: Wir sind in Naurod, in einem Haus im Wald. Unsere Teilnehmer mögen das. Die jungen Leute konzentrieren sich aufs Filmemachen und den Austausch von Erfahrungen. Sie ziehen nachts nicht durch die Kneipenszene in der Innenstadt. Auch deshalb sind wir schon 25 Jahre hier. Das Festival gibt es schon länger.

45 Jahre Werkstattfestival der Jungen Filmszene: Können Sie sich an Filmemacher erinnern, die aus dem Festival heraus den Durchbruch geschafft haben?

Es gab einige, die später unterschiedliche Wege bei Film und Fernsehen eingeschlagen haben. Beim Festival dabei waren beispielsweise Nico Hoffmann, Veit Helmer und Sven Taddiken.

Wie verhält sich denn die Filmwirtschaft zu dem Festival. Sieht sie darin eine Talentschmiede und ist sie als Sponsor kräftig dabei?

Noch fehlt die Filmwirtschaft direkt auf unserem Festival, vereinzelt gibt es allerdings Anzeigen im Programmheft. Wir spüren aber Interesse. Das merkt man zum Beispiel an Anfragen, wenn Nicht-Kommerzielle sich an Filmmaterial unserer Teilnehmer oder manchmal auch an der Mitarbeit von Teilnehmern interessiert zeigen.

Was überwiegt derzeit in der filmischen Auseinandersetzung der Jungen Szene?

Ich habe alle 253 registrierten Filme gesehen, aus denen 72 ausgewählt wurden. Die jungen Filmemacher setzten sich mit Amokläufen und dem 2. Weltkrieg auseinander. Das war aber nicht die Mehrzahl der Produktionen.

Haben Sie schon ein Thema für die 46. Werkstatt der Jungen Filmszene oder lassen Sie das Festival thematisch offen?

Wir setzen für unsere jungen Filmemacher ganz bewusst kein Festivalthema. Es gibt jedoch Auffälligkeiten unter den Bewerbern. Mädchen und Frauen sind noch deutlich in der Minderzahl. Die müssen wir künftig stärker zur Mitarbeit animieren ebenso wie die Migranten. Deren Anteil an den Filmeinreichern ist noch verschwindend gering.

Interview: Michael Grabenströer

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