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Horst-Schmidt-Kliniken "Unmenschliche Arbeitshetze"

Für die Beschäftigten der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) haben sich nach dem Teilverkauf die schlimmsten Befürchtungen erfüllt. Das Bündnis für eine kommunale HSK listet in einem offenen Brief Missstände in der Klinik auf.

22.11.2012 08:14
Gaby Buschlinger
Unmut und Angst herrschen in der HSK-Belegschaft. Foto: Renate Hoyer

Mit dem Teilverkauf der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) an die Rhön Klinikum AG dachte die Stadt, alle Sorgen mit dem verschuldeten Krankenhaus los zu sein. Doch für die Mitarbeiter und die Patienten fangen die Sorgen erst richtig an, nachdem Rhön dort das Sagen übernommen hat.

In einem offenen Brief an Klinikdezernent und Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) sowie Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU), der der FR vorliegt, beklagt das Bündnis für eine kommunale HSK „alarmierende Zustände“. Alle Warnungen vor den Folgen einer Teilprivatisierung der HSK hätten sich für Patienten und Beschäftigte „voll bestätigt“.

So ist von „mangelnder Hygiene“ und „unmenschlicher Arbeitshetze“ sowie „nicht gut eingearbeiteten Leiharbeitern“ die Rede. Etwa 50 „erfahrenen Alt-HSKlern im ,rentennahen’ Alter“ sei seit der Übernahme der HSK-Geschäftsführung durch Rhön-Manager im Frühjahr empfohlen worden, „freiwillig“ in den Vorruhestand zu gehen.

Arbeitspensum erhöht

Mehrere Beschäftigte berichten der FR von „einschüchternden Einzelgesprächen“. Und wer das Arbeitspensum, das bei den Reinigungskräften verdoppelt worden sei oder laut Verdi teils durch mündliche Anordnungen erhöht werde, nicht schaffe, erhalte eine Abmahnung. Das Bündnis vermutet, dass Rhön wegen des Kostendrucks das langjährige und damit höher bezahlte Klinikpersonal los werden wolle und durch billigere Leiharbeiter ersetze.

Immer mehr Krankenschwester, Putzfrauen, Küchenangestellte und Pflegeleiter wendeten sich an das Bündnis für eine kommunale HSK, sagt dessen Mitglied Bodo Kaffenberger. Denn auch nach dem gescheiterten Bürgerbegehren treffen sich die Bündnis-Mitglieder nach wie vor regelmäßig und „verfolgen weiterhin aufmerksam die Veränderungen im Klinikalltag seit der Übernahme der Geschäftsführung der HSK durch Rhön“.

Aus Angst vor Repressalien traue sich kein Beschäftigter, öffentlich auf die Missstände und Qualitätsverluste hinzuweisen, sagt Kaffenberger. Also hat dies das Bündnis nun übernommen. Und hält die „zusammengetragenen Fakten nur für die Spitze des Eisbergs“.

"Hygiene beeinträchtigt"

„Starker Druck auf das Personal beeinträchtigt die Hygiene im Klinikalltag“, beginnt der offene Brief. Mit dem Umstieg auf die so genannte „Einwischmethode“ sei das Arbeitspensum für die Reinigungskräfte verdoppelt worden. Langjährige HSK-Beschäftigte, die nicht genannt werden wollten, berichten der FR: „Früher gab es die Vorgabe, dass eine Putzfrau eine Station mit 30 Betten in acht Stunden putzen muss. Jetzt müssen zwei Stationen mit 60 Betten geschafft werden.“ Das Bündnis spricht von „unmenschlicher Arbeitshetze“. Und wer „das Pensum nicht schafft, muss sofort mit einer Abmahnung rechnen“.

Auch die Verdi-Betriebsgruppe bestätigt nach Gesprächen mit Betroffenen diese Vorgehensweise.
Das Bündnis befürchtet, dass die neue Wischmethode und der Zeitdruck den „Hygienebedingungen eines Krankenhauses nicht gerecht werden“. Obendrein würden benutzte Betten inzwischen auf den Fluren abgestellt, weil das Aufbereitungsteam dem Reinigen und Beziehen der Betten nicht mehr nachkomme. Dadurch würden Aufzüge blockiert, und manchmal stünden saubere Betten direkt neben schmutzigen. „Viel deutet darauf hin, dass auch als Folge einer mangelnden Hygiene die Zahl der infektiösen Patienten auf den Stationen steigt“, heißt es in dem Brief weiter.

Rhön sagt nichts zu Vorwürfen

Rhön lehnt eine Stellungnahme zu den Vorwürfen im Umgang mit dem Personal ab. Die aktuelle HSK-Mitarbeiterinformation vom 12. November widmet sich derweil dem Thema Hygiene. Darin schreibt der leitende Hygieniker des Rhön-Konzerns, Heinrich K. Geiss, dass in den HSK in puncto Hygiene und Sauberkeit „noch vieles optimiert werden muss, um die hohe Messlatte der Rhön-Standards zu erreichen“. Die neue Wischtechnik sorge für ein „optimales Reinigungsergebnis“, minimiere das Infektionsrisiko und spare obendrein „fünf Tonnen Wäsche pro Monat“.

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