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Hochschule Rhein-Main Windkraftanlagen aus Holz

Die Hochschule entwickelt Technologie für alternative Windkraftanlagen. Die Giganten sollen künftig aus Holz statt Stahl hergestellt werden.

04.04.2012 23:09
Fabian Siegel
Prof. Dr. Leander Bathon mit dem Modell des "Timber Tower". Foto: Schick

Windkraft ist in aller Munde. Immer modernere Anlagen schmücken die Bergkämme, umweltbewusste Politiker preisen sie als zukunftsweisende Innovationen. Dabei ist die Nutzung des Windes eigentlich ein alter Hut: Schon 2000 vor Christus bauten die Babylonier die ersten Windräder, um ihre Geräte anzutreiben – aus Holz.

Wenn es nach einem Forscherteam der Hochschule Rhein-Main geht, soll die Entwicklung genau zu diesen Wurzeln zurückführen – in absolut modernem Gewand. Für Professor Leander Bathon und seine Mitarbeiter liegt die Zukunft der Windenergie im Holz.

„Seit Mitte des 20. Jahrhunderts werden Windkraftanlagen aus Stahl oder Beton gebaut“, sagt Bathon. Mit diesen Werkstoffen habe man damals moderne und billigere Anlagen bauen können – diese Zeiten seien nun aber vorbei. „Inzwischen weiß man, dass Windkraftanlagen aus Holz entscheidende Vorteile haben.“

Dazu gehöre beispielsweise der ökologische Effekt. „Bei der Herstellung von Stahl oder Beton werden Unmengen an Kohlenstoffdioxid verbraucht“, erklärt Bathon. Beim Holz sei das genau umgekehrt: Die Bäume, die verarbeitet würden, hätten bis zu ihrer Fällung schon jede Menge Kohlenstoffdioxid aufgenommen – und speicherten das auch über die Verarbeitung hinweg. Wenn die Windräder nach der bisherigen Höchstlaufzeit von 20 Jahren abgebaut werden müssten, könne man das Holz außerdem ganz einfach weiterverarbeiten. „So ist nicht nur das Endprodukt ökologisch einwandfrei, sondern gleich die ganze Anlage.“

Windräder aus Holz passen besser ins Landschaftsbild

Mit Windkraftanlagen aus Holz könnten die Betreiber außerdem viel höhere Gewinne einfahren. „Bei den herkömmlichen Anlagen ist aus statischen Gründen bei einer Höhe von 100 Metern Schluss“, sagt Bathon. „Mit Holz können wir schon heute 160 Meter große Anlagen bauen“. Die Energieerträge seien in diesen Höhen deutlich größer. Auch Gebiete, in denen aufgrund unzureichender Windverhältnisse bisher keine Windenergie gewonnen werden konnte, könnten so erschlossen werden. Berechnungen hätten gezeigt, dass sogar 200 Meter hohe Anlagen den Belastungen durch Wind und Wetter standhalten könnten.

Um das möglich zu machen, ist moderne Technologie vonnöten. „Die einzelnen Holzelemente werden mit einer speziellen Klebetechnik verbunden“, erklärt Bathon. Die wird in Wiesbaden entwickelt. Die Bauteile werden mit Metallplatten verbunden. Zusammengehalten wird die Konstruktion mit einem speziellen Kleber.

So entsteht vom Fundament bis zum Rotor eine Konstruktion, die an die Windräder in alten Westernfilmen erinnert – nur 20-mal größer. Insgesamt werden pro Windrad rund 500 Kubikmeter Holz verarbeitet. Verkleidet werden die Türme mit PVC-Platten, doch auch Holz ist prinzipiell möglich. „So gliedern sich die Windräder optisch auch viel besser in die Landschaft ein als die Stahlriesen“, meint Bathon.

Auf der Hannover Messe vom 23. bis 27. April stellt die Hochschule das Projekt zusammen mit ihren Partnern aus der Industrie erstmals vor. Ganz in der Nähe entsteht bereits der Prototyp. Auch potenzielle Kunden gebe es schon einige, sagt Bathon. „Länder wie Kanada, die zwar Unmengen von Holz haben, für ihre Windräder aber bisher für viel Geld Stahl importieren mussten, sind natürlich ganz heiß auf die Technologie.“

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