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Handmade in Wiesbaden Autositze zum Umhängen

Die Wiesbadenerin Karen Häcker fertigt aus Bezügen und Furnierhölzern Taschen. Die Idee, ein Geschäft aufzuziehen, kam der heute 26-Jährigen während ihrer Bachelor-Arbeit.

10.02.2015 18:26
Kristina Staab
Nicht alternativ, edel sollen sie sein. Foto: Michael Schick

Einfarbiger oder gemusterter Stoff, Imitat und echtes Leder; Karen Häcker näht Taschen aus dem, was die Entwickler von Autositzbezügen sonst wegwerfen. Die angehende Geschäftsfrau arbeitet in ihrer Wohnung im Bezirk Wiesbaden-Nordost, in der Nähe des Alten Friedhofs. Der Verkauf ihrer umweltfreundlichen Taschen soll in diesem Jahr starten.

Im Alter von 14 Jahren nähte Häcker ihre erste Tasche. Mit 16 kam sie auf die Idee, den Stoff der Sitzbezüge des schrottreifen Autos ihrer Eltern zu nutzen. Etwas später schnitt sie auf Schrottplätzen das benötigte Material aus alten Fahrzeugen. Damals verkaufte sie sogar einzelne Taschen an Geschäfte. „Die Qualität der Bezüge ist sehr gut“, sagt Häcker.

Die Idee, ein Geschäft aufzuziehen, kam der heute 26-Jährigen während ihrer Bachelor-Arbeit. Häcker studierte in Weimar Produktionsdesign. „Ressource Industrieabfall“ lautete das Thema ihrer Arbeit. Der Gedanke, wieder aus Sitzbezügen Taschen zu nähen, habe nahe gelegen, erläutert sie.
Doch ganz so leicht sei es nicht gewesen, solche Stoffe für ihr Unterfangen aufzutreiben. Erst nach etlichen Anfragen fand Häcker ein großes Unternehmen, das Sitzbezüge entwickelt und die Reste an sie weitergibt. Etwa 2000 Bezüge fallen als Industrieabfall pro Sitzform und Jahr bei dem Unternehmen an, erklärt Häcker.

Stücke mit Botschaft

Zudem verwendet die Wiesbadenerin ehemalige Furnierhölzer, die in den Autos verarbeitet werden. Sie werden zu Böden und Seitenwänden umfunktioniert. So habe jede Tasche eine Geschichte und eine Botschaft, die sie erzähle, sagt Häcker.

Nachdem die Prototypen ihrer Taschen fertig waren, präsentierte sie diese im Talente-Bereich der Ecostyle Messe in Frankfurt. Dort entdeckte die Kuratorin des Deutschen Ledermuseums in Offenbach, Rosita Nenno, die kleinen Kunstwerke. Sie sei von der Idee begeistert gewesen, dass Häcker Sitzbezüge für ihre Taschen verwende und gebrauchte Edelhölzer benutze, sagt Nenno. Das sei umweltbewusst. Sie entschied, die Reisetasche der Wiesbadenerin in der Ausstellung „Taschen“ im Ledermuseum in Offenbach zu zeigen. Das Interesse sei groß, berichtet sie. Die Tasche ist dort noch bis zum 25. April dieses Jahres zu sehen.

Praktisch, klassisch und zu 100 Prozent aus gebrauchtem Material sollen ihre Taschen sein – das ist die Vision der Wiesbadener Produktdesign-Absolventin. Mit diesem Konzept möchte Häcker weg vom alternativen Recycling-Look. Sie will edle Ware anbieten. Den Preis hat die künftige Unternehmerin noch nicht festgelegt. Sie möchte die Taschen in Deutschland produzieren lassen und schätzt, dass sie ab etwa 200 Euro erhältlich sein werden.

Weitere Infos über das Vorhaben der Wiesbadenerin gibt es im Internet unter www.karenhaecker.com

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