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Geplänkel ums Oktoberfest

In zwei Wochen wird am Schiersteiner Hafen gefeiert – doch nicht alle sind begeistert

Walter Richters will keine „Spaßbremse“ sein. „Wenn die Wiesbadener meinen, sie brauchen ein Oktoberfest, will ich mich nicht widersetzen“, sagt der grüne Vize-Ortsvorsteher von Schierstein. Und dann kommt das „Aber“. „Aber dann sollte es an einer geeigneten Stelle stattfinden und nicht im Wasserschutzgebiet am Schiersteiner Hafen.“ Auf einem Areal, wo schon ohne Fest bei schönem Wetter die Parksituation katastrophal sei.

Auf der Festwiese am Schiersteiner Hafen soll vom 1. bis zum 7. Oktober zünftig gefeiert werden. Bis zu 3500 Gäste erwartet der Veranstalter, die Firma Wibera. Die Sorgen Richters und die der Mitglieder des Ortsbeirats gehen jedoch weit über ein Verkehrschaos hinaus. Sie befürchten, dass durch die Genehmigung Begehrlichkeiten geweckt werden. „Das Hafenfest an dieser Stelle ist genug.“ Dass das ebenfalls auf der Festwiese gefeiert wird, sei in Ordnung, da es mittlerweile Tradition habe. „Fängt man nun aber mit weiteren Genehmigungen an, muss man dort auch andere Veranstaltungen erlauben.“

Unterstützung erhalten die Kritiker nun auch von den Wiesbadener Grünen. Die wollten zunächst vom Magistrat wissen, weshalb das Fest genehmigt worden war. Und erhielten unter anderem folgende Antwort: „Ein öffentliches Interesse an der Veranstaltung kann nicht bejaht werden, insbesondere, da es sich nicht um eine Traditionsveranstaltung handelt.“ Wenn das so ist, weshalb wurde diese Veranstaltung dann überhaupt genehmigt, fragen die Grünen nun in einem offenen Brief, den sie jetzt an Wiesbadens Rathauschef Helmut Müller (CDU) geschrieben haben.

An des Oberbürgermeisters statt rechtfertigt Ordnungsamtsleiter Winnrich Tischel die Genehmigung. Ein öffentliches Interesse bestehe zwar nicht. Aber ein privates. „In einem Rechtsstaat kann man nicht einfach eine Veranstaltung verbieten“, sagt er und weist darauf hin, dass man dem Veranstalter eine Vielzahl von Auflagen gemacht habe. Es werde überprüft, ob die eingehalten werden. „Erst dann kann man beurteilen, ob das Fest auch in Zukunft stattfinden kann.“

Das sollte ursprünglich auch gar nicht am Schiersteiner Hafen steigen, sondern auf dem Gelände der Gibber Kerb in Biebrich. Doch die Untere Naturschutzbehörde und der Ortsbeirat hatten Einspruch eingelegt. „Wir haben dort so viele Veranstaltungen. Da brauchen wir keine weitere mehr“, sagt Ortsvorsteher Kuno Hahn (SPD).

Auch die Schiersteiner hatten sich gewehrt. Aber erst nachdem Anmeldung und Genehmigungen bereits vorlagen. Zwar sei das Thema in einer Sitzung behandelt worden. Aber man habe nichts gesagt, weil man befürchtete, das Hafenfest zu gefährden, sagt Richters. Und um eine Stellungnahme sei man nicht gebeten worden. An diesem Punkt setzt auch die Kritik der Grünen an, die von Müller auch wissen wollen, warum bei einer solchen Angelegenheit der Ortsbeirat nicht beteiligt worden ist.

Verhindern, dass am Schiersteiner Hafen gefeiert wird, kann der Ortsbeirat nicht. Deshalb üben sich die Mitglieder nun in Gelassenheit. „Vielleicht läuft alles wunderbar, dann haben wir keinen Grund zum Klagen“, sagt Richters. Oder es läuft schlecht. „Dann werden wir gegen die Veranstaltung protestieren.“

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