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Fresenius Historische Stätte der Chemie

Ein unscheinbarer, aber geschichtsträchtiger Ort: Die Wirkungsstätte von Carl Remigius Fresenius erhält die Auszeichnung der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

23.07.2013 12:53
Alexandra Ehrhardt
Ludwig Fresenius (2.v.l.) und Sven Gerich mit Gedenktafel. Foto: Michael Schick

Ein unscheinbarer, aber geschichtsträchtiger Ort: Die Wirkungsstätte von Carl Remigius Fresenius erhält die Auszeichnung der Gesellschaft Deutscher Chemiker.

Schön, aber unscheinbar sieht es aus, das Haus in der Kapellenstraße 11. Dennoch ist das Haus mit der beigefarbenen Fassade und den sattgrünen Fensterläden ein historischer Ort: Das Gebäude ist als einziges aus dem ursprünglichen Komplex der Wirkungsstätte des Chemikers Carl Remigius Fresenius erhalten geblieben. Vergangenen Donnerstag ist das Haus im Beisein des Ururenkels Ludwig Fresenius von der Gesellschaft Deutscher Chemiker nun als „Historische Stätte der Chemie“ ausgezeichnet worden.

Der 1818 geborene Fresenius gilt als Wegbereiter der Analytischen Chemie und begründete das Chemische Laboratorium Fresenius. Aus dem entstand später das heutige Institut und die Hochschule gleichen Namens. Aber auch in die Wiesbadener Stadtpolitik nahm Fresenius als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Einfluss und wurde später Ehrenbürger der Stadt.
Seit 1999 würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker jährlich im Rahmen des Programms „Historische Stätten der Chemie“ Leistungen von geschichtlicher Bedeutung in der Chemie. Ziel ist es, die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach zu halten und der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Um in das Programm aufgenommen zu werden, müssen die mit der historischen Stätte verbundenen Entdeckungen „für Mensch und Gesellschaft eine große Bedeutung besitzen“, heißt es in der Beschreibung des Programms.
Die Auflagen der Gesellschaft erfüllt Fresenius Wirkungsstätte in Wiesbaden voll und ganz. „Carl Remigius Fresenius war nicht nur ein innovativer Wegbereiter der Chemischen Analytik, sondern sah sich mit seiner Arbeit auch im Dienst anderer Naturwissenschaften. Seine Methoden sind bis heute von zentraler Bedeutung für unseren Alltag“, sagt Leo Gros, ehemaliger Vizepräsident der Hochschule Fresenius, der die alte Wirkungsstätte für das Programm vorgeschlagen hatte.

Fünfte Generation der Chemiker-Familie

Während für die Gäste der Feierstunde das heutige Wohnhaus mit seinen drei Mietparteien vor allem ein historischer Ort ist, ist es für den umtriebigen Ludwig Fresenius ein Stück Heimat voller persönlicher Erinnerungen an seine Kindheit. Knapp zehn Jahre hatte der 70-jährige Ururenkel von Carl Remigius Fresenius in der Kapellenstraße 11 gelebt. Heute ist das Gebäude noch immer in seinem Besitz.
„Familie – das ist ja immer eine Mischung aus Spaß und Ernst“, sagte Ludwig Fresenius am Rande der Feierlichkeit. Lange habe er mit seinem Erbe gehadert, das er in fünfter Generation einer Chemiker-Familie trägt. So hatte er das Chemiestudium kurz vor dem Diplom abgebrochen, „weil ich das nicht bin“ und jahrelang davon geträumt, Schafhirte in Neuseeland zu werden.
Am Ende kehrte er dann doch 1970 nach Wiesbaden zurück, um sich um das Standortproblem des Instituts und der Hochschule Fresenius zu kümmern. Beide Institutionen waren in dem Komplex der Kappellenstraße 11 bis 15 ansässig. Jenem Ort, wo Carl Remigius Fresenius 1848 das Chemische Laboratorium gegründet hatte. Mitten im Wohngebiet gelegen platzten die beiden Institutionen mit rund 350 Studierenden und etlichen Mitarbeitern aus allen Nähten. Deshalb zog 1975 das Institut zu seinem jetzigen Standort nach Taunusstein, die Hochschule verabschiedete sich 1995 aus der Kappellenstraße und verteilte sich über sieben Standorte in Deutschland – einer davon in Idstein, wo eine Kopie der Wiesbadener Gedenktafel ebenfalls angebracht wurde.

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