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Freie Christliche Schule Ärger um den Ausbau

Die Freie Christliche Schule auf dem Kohlheck will anbauen - dummerweise im Naturschutzgebiet. Die Sozialdemokraten üben daran heftige Kritik. Von Sabine Müller

05.06.2010 00:06
Sabine Müller
Die Freie Christliche Schule Wiesbaden: (v.l.) Thomas Oemichen (stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins), Ernst Guggolz (Schulleiter). Foto: FR/Schick

Sie liegt idyllisch am Rande des Waldes, mitten in einem Naturschutzgebiet; es gibt nur Grün drum herum und noch nicht mal einen Parkplatz vor der Tür: Die Freie Christliche Schule (FCSW) auf dem Kohlheck im Westen Wiesbadens hat sich ein wahrlich schönes Fleckchen Erde zum Lernen und Lehren ausgesucht.

Und doch ist es ausgerechnet das grüne Idyll, das der Privatschule jetzt Grenzen setzt - und ihr den Zorn mancher Nachbarn einbringt. Denn die Schulgemeinde will sich vergrößern und würde dafür gerne ein wenig am geschützten Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Grün kratzen.

"Wir brauchen dringend mehr Platz", sagt Thomas Oehmichen, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins. Mit sechs Schülern habe die FCSW einmal angefangen. Heute besuchen 128 Mädchen und Jungen die Grundschule und die neue Sekundarstufe Eins, die bereits drei Jahrgänge bis Klasse sieben umfasst. Bis zum Abitur soll es mal gehen, und zwar zweizügig mit dann insgesamt 450 Schülern.

Damit das klappt, müsste ein Anbau an das jetzige Schulhaus - einem früheren Kindererholungsheim - her. Dazu möglichst noch eine Tiefgarage und darüber hinaus - ganz unbedingt - eine eigene Zufahrt. Der Trägerverein denkt dabei an einen kleinen Waldwanderweg, der von der Wenzel-Jaksch-Straße Richtung Schule abzweigt.

Mama-Taxis nerven

Das aber empört die SPD in Dotzheim, die in der Ortsbeiratssitzung im Mai von den Plänen erfuhr. Die Zerstörung eines FFH-Gebietes sei ausgeschlossen, wettert etwa die SPD-Stadtverordnete Christa Knauer. Und der Dotzheimer SPD-Vorsitzende Stefan Breuer findet alles, was mit der Schule zu tun hat, sowieso "undurchsichtig" und kennt Anlieger, "die sich massiv über die unklare Situation hinsichtlich der Christlichen Schule beschweren". Breuer hegt "höchste Bedenken" gegen den Ausbau des Waldweges. Schließlich stehe das Gebiet nicht umsonst unter europäischen Naturschutz-Richtlinien.

Oehmichen versteht die Kritik nicht. "Wir planen ganz offen, suchen Gespräche, kooperieren", sagt er. Für die Zufahrt müsse kein einziger Baum fallen. Der Waldweg solle lediglich zu einer Privatstraße ausgebaut werden. Klappte das, dann hätte Oehmichen zumindest ein Problem weniger: Die Zeit der Dauerbeschwerden von Anwohnern des Kohlhecks wäre vorbei. Denen gehen die vielen Mama-Taxis durch den Langendellschlag teils mächtig auf die Nerven.

Die eigene Zufahrt würde aber auch den Eltern einen täglich knapp zwei Kilometer langen Umweg ersparen, was - Berechnungen Oehmichens zufolge - in etwa 10 Tonnen CO2-Ausstoß weniger im Jahr ausmachte. Er hält den Bau der Zufahrt durch das FFH-Gebiet ökologisch für gerechtfertigt. Entschieden wird das Ganze beim Regierungspräsidium Darmstadt. Dorthin ging auch der Antrag der Schule, das geschützte Grün für Anbau und Zufahrt freizugeben. Doch just in dieser Woche lehnte das RP den Antrag erstmal ab.

Der Verein prüfe den Bescheid noch, sagt Oehmichen. Die Chance auf einen schnellen Anbau sei freilich passé. Der Verein werde sich wohl oder übel nun nach einer anderen Liegenschaft umsehen, in die ab übernächstem Jahr die Sekundarstufe einziehen soll. "Echte Hoffnung" habe er allerdings weiterhin, was die Zufahrt durch den Wald zur Grundschule angehe: Bauen im FFH-Gebiet gehe vielleicht nicht, "aber durchfahren darf man".

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