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Faulbrunnenplatz Mahnmal für Menschen auf der Flucht

Am Faulbrunnenplatz werden UN-Zelte aufgebaut, um auf die Situation von Flüchtlingen hinzuweisen

Die UN-Zelte sollen auf die Probleme von Heimatlosen aufmerksam machen. Foto: UNHCR

Er hat Bäume und Straßenlaternen umgarnt, ausgespuckte Kaugummis bemalt. Jetzt stellt Hans Reitz auf dem Faulbrunnenplatz zwei Flüchtlingszelte der UN auf. Am Ostersonntag soll mit dem Aufbau begonnen werden. Dann stehen die Zelte 24 Tage lang inmitten der Stadt. Und sollen auf so ungewöhnliche Weise auf das Schicksal von Millionen Menschen aufmerksam machen.

Gute fünf Monate hat Reitz auf die Genehmigung der Stadt gewartet, denn eigentlich sollte es schon vor Weihnachten losgehen. Letztendlich kam die Genehmigung erst Mitte März. Und dann musste es ganz schnell gehen. Das Programm wächst von Tag zu Tag, immer wieder werden neue Themen aufgeworfen. Mal geht es um 18-Jährige auf der Flucht, mal um 14- bis 16-Jährige. Am 21. April ist das Thema „Frauen auf der Flucht“. Dann will auch Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus der kleinen Zeltstadt einen Besuch abstatten.

Yunus ist der Gründer der Mikrokredite vergebenden Grameen Bank und mittlerweile ein guter Freund von Hans Reitz. Yunus' Gedanken zum Social Business hätten ihn bewegt und zum Umdenken gebracht, sagte Reitz einmal. Er ging mit Yunus auf Reisen und lernte von ihm, was er über Social Business wissen wollte.

Wiesbaden als Zufluchtsort

Hans Reitz liebt das Außergewöhnliche. Mit all seinen Aktionen will er etwas machen, das den Menschen im Gedächtnis bleibt und somit etwas bewirkt. Seit 2008 setzt sich der 47-Jährige, Inhaber der Wiesbadener Eventagentur circ, für eine gerechtere Welt ein – auch für ein friedlicheres, harmonischeres Wiesbaden. Auch die Freundschaft mit Regisseur Christoph Schlingensief, der 2010 starb, hat den Wahlwiesbadener in seiner Idee bestärkt, Dinge anzusprechen, die offensichtlich sind, aber um die sich nur wenige kümmern, wie zum Beispiel das Thema Flucht. „Als ich im vergangenen Oktober mal abends durch die Stadt gegangen bin, habe ich viele Obdachlose gesehen, die in Bankeingängen geschlafen haben“, sagt Reitz. Ihm sei klar geworden, dass viele Menschen auf der Flucht seien, an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden, sich in Alkohol oder Drogen flüchteten.

Das gelte nicht nur für ferne Länder. Auch Wiesbaden sei für viele ein Zufluchtsort, „eine Stadt, in der viele anonym nebeneinander her leben“, sagt Reitz. Diese Anonymität will er durchbrechen. Unterstützung erhält er dabei von Mit-Organisator Dominique Dauster vom Perfect Day. Die Kunstaktion der beiden soll die Menschen in Kontakt miteinander bringen und sie aufmerksam werden lassen. „Jeder kann schon morgen ein Flüchtling sein. Das Erdbeben in Japan zeigt das zum Beispiel ganz deutlich. Oder der Krieg in Syrien.“

24 Stunden lang sind die Zelte am Faulbrunnenplatz bewacht. 24 Stunden wird aus einem der Zelte gebloggt und zum Thema Flüchtlinge recherchiert. Zudem gibt es zwölf Feldbetten, auf denen man übernachten kann. Eine Toilette werden die Helfer ebenso aufbauen wie ein kleines Café.

Damit es zu keinen unangenehmen Zwischenfällen an diesem „Brennpunkt“ kommt, sind die Organisatoren in engem Kontakt mit der Polizei – „um notfalls die Aktion auch früher abzubrechen“. Doch Ziel ist es, 24 Tage lang durchzuhalten. „Schließlich sind wir kein Flashmob. Wir sind gekommen um zu bleiben.“

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