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Einkaufszentrum in Wiesbaden Liliencarré ist insolvent

Das Einkaufszentrum Liliencarré am Wiesbadener Hauptbahnhof ist in Nöten. Die Eigentümer sind zahlungsunfähig. Doch der Insolvenzverwalter verspricht: Es geht alles normal weiter.

09.12.2010 11:42
Gaby Buschlinger
Das Einkaufszentrum Liliencarré direkt neben dem Wiesbadener Hauptbahnhof. Foto: Bauherr

Für die Kunden und die Mieter ändere sich nichts im Liliencarré, der Betrieb gehe weiter, beteuert Insolvenzverwalter Hans-Wilhelm Goetsch. Die Lichter bleiben an, die Rolltreppen rollen weiter und es kann täglich munter geshoppt werden. Doch die Eigentümergesellschaft, der das Gebäude des Einkaufszentrums am Hauptbahnhof gehört, sei insolvent, teilt Goetsch weiter mit.

Vor einer Woche hat das Wiesbadener Amtsgericht das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Immobiliengesellschaft eröffnet. Rechtsanwalt Goetsch wurde als Insolvenzverwalter bestellt. Da bei der Liliencarré GmbH & Co. KG keine Mitarbeiter beschäftigt sind, drohen keinerlei Entlassungen. Inhaber und Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft ist der irische Investor Donal O’Mahony. Verwaltet und betrieben wird das Liliencarré nach wie vor von der Multi Mall Management Wiesbaden GmbH, die von der Insolvenz nicht betroffen sei, wie Goetsch betont.

Bank bekommt kein Geld

Betroffen ist von der Pleite zunächst die Barclays Bank als Hauptgläubigerin. Das Geldinstitut habe laut Goetsch „schon seit geraumer Zeit“ nicht mehr die vereinbarten Kreditraten erhalten. Details nannte der Rechtsanwalt nicht. So bleibt unklar, wie viel Geld die Eigentümergesellschaft der Bank schuldet und seit wann sie sich in der finanziellen Schieflage befindet.

Als Hauptursache nennt Goetsch eine bei der Eröffnung des Centers vor knapp vier Jahren „zu optimistisch kalkulierte Mietentwicklung“. In dem weit ab vom Passantenfluss der Fußgängerzone gelegenen Einkaufszentrum ist von Anfang an recht wenig los, mehrere Geschäfte stehen seit längerem leer. Aus den Besucherzahlen hat das Einkaufszentrum jahrelang ein Geheimnis gemacht – was eher auf schwache Kundenströme schließen lässt. Gute Zahlen würde schließlich jeder Centermanager ungefragt und laut hinausposaunen. Und mit den geringer als erhofften Mieteinnahmen konnten die „vorgegebenen Zahlen für die Finanzierung des Gesamtprojekts nicht eingehalten werden“. Die Bank forderte O’ Mahony auf, mit Eigenkapital einzuspringen, was dieser aber nicht tat. Zudem habe der Wert der Immobilie nach der Finanzkrise „berichtigt“ werden müssen.

Positive Entwicklung

Dennoch scheint die Zwangsversteigerung noch nicht anzustehen. Das Insolvenzverfahren soll laut Goetsch „dazu genutzt werden, die in den letzten Monaten positive Entwicklung des Objekts zu intensivieren“. Das Liliencarré sei „auf einem sehr guten Weg“, versprüht der Insolvenzverwalter Optimismus und spricht von einem „guten Vermietungsstand“. „Der prominente Standort, die hohe Bauqualität der Immobilie und die positive Mietentwicklung machen das Objekt attraktiv“, so Hans-Wilhelm Goetsch.

Die Frage, warum dann die Eigentümergesellschaft so tief in den Miesen steckt, bleibt unklar. Ebenso wie die bange Frage der Mieter, ob ihnen nun saftige Mieterhöhungen ins Haus flattern.

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