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Einkaufszentrum Ausverkauf im Liliencarré

Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Schon fünf Geschäfte haben ihren Mietvertrag gekündigt. Und ein Parkdeck ist mangels Besuchern meistens gesperrt. Von Gaby Buschlinger

09.05.2009 00:05
GABY BUSCHLINGER
Das Einkaufszentrum Liliencarré direkt neben dem Wiesbadener Hauptbahnhof. Foto: Bauherr

Vor gut zwei Jahren hat das Einkaufszentrum Liliencarré mit großem Tamtam und noch größeren Versprechungen aufgemacht, doch im 160-Millionen-Euro-Projekt gehen immer mehr Lichter aus. Nach dem Café Segafredo haben vier weitere Mieter den Konsumtempel verlassen, und das unterste Parkdeck der Tiefgarage mit 400 Plätzen ist nur freitags und samstags geöffnet. "Um Strom zu sparen", wie ein Mitarbeiter der BetreiberfirmaQ-Park sagt.

Im Erdgeschoss haben drei Läden dicht: Bei Street One ist es seit Wochen duster, ungeöffnete Briefe stapeln sich hinter der verschlossenen Glastür. Passanten erfahren, dass die Schließung "vorübergehend" sein soll. Immerhin hängen die Kleiderständer noch voller Shirts und Hosen. Im Schuhgeschäft Bianco Footware sind dagegen nur noch leere Regale zu erkennen. Bei edc by esprit warten nur zwei Ständer mit Sonnenbrillen und einige nackte Schaufensterpuppen auf ein neues Zuhause.

Im Obergeschoss ist das erst vor einem Jahr eröffnete Regionalstudio des Fernsehsenders Rheinmain-TV verschwunden. Die leeren Räume nutzt der Keramikwarenhersteller Villeroy und Boch als Schaufenster für seine Tischgedecke. Ein Sprecher des Senders sagt, die tägliche Berichterstattung aus Wiesbaden werde seit Ende vergangenen Jahres in dem Wochenmagazin "Hallo Wiesbaden" gebündelt. Daher sei das lokale Studio nicht mehr nötig gewesen.

Zu abgelegen und zu jung

Segafredo wiederum hatte schon vor einiger Zeit geschlossen, weil der maue Umsatz kaum noch die Miete einbrachte. Der Blick zur gläsernen Dachkuppel zeigt eine Scheibe, die von Tausenden Sprüngen überzogen ist. Immerhin scheint sie noch wasserdicht zu sein. "Es gibt Tage, an denen kein einziger Kunde kommt", klagt eine Verkäuferin. Sie mahnt allerdings, "etwas Negatives in der Presse zu schreiben". Denn: "Dann kommt ja überhaupt keiner mehr." Auf die Frage, was sie denn Positives berichten könnte, presst sie die Lippen zusammen und flüstert: "Das ist eine gute Frage."

Das Liliencarré kranke an zwei Nachteilen: Es sei zu weit abgelegen von der Fußgängerzone, und die Klamottenläden für junge Leute dominierten. "Dadurch kommen ältere Semester kaum hierher."Centermanager Norbert Beninde sagt, dass die drei Geschäfte im Erdgeschoss Insolvenz angemeldet hätten. "Wir haben interessierte Nachmieter, bekommen aber die Schlüssel für die Läden nicht", so Beninde. Das abgesperrte Parkdeck wiederum diene als "Reserve", über die man in den Spitzenzeiten sowie in der Vorweihnachtszeit "froh" sei. Insgesamt gibt es 1200 Stellplätze.

Besucherzahlen verrät Beninde nach wie vor nicht. Nach "Anlaufschwierigkeiten" stiegen sie weiterhin und lägen im "fünfstelligen Bereich". Die Verkäuferinnen können sich das nur so erklären: "Da werden die vielen Schüler mitgezählt, die kaum was kaufen."

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