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Diskussion Wiesbaden diskutiert Windkraft-Pläne

Die Städte Wiesbaden und Taunusstein wollen gemeinsam Windanlagen bauen. Noch stehen viele Fragen im Raum, einige Bürger sind besorgt. Gehen die Pläne am Ende zu Lasten von Niedernhausen?

10.12.2012 12:36
Von Fabian Siegel
Bis 2020 will Wiesbaden 20 Prozent seines Energiebedarfs mit Erneuerbaren decken. Foto: dpa

Ein Auto nach dem anderen kapituliert im dichten Schneetreiben. Die Reifen drehen durch, die Weiterfahrt ist nicht mehr möglich. Dass das Jagdschloss bei der Informationsveranstaltung zur Windkraft am Sonntagmorgen dennoch gut gefüllt ist, zeigt, wie sehr den Bürgern das Thema am Herzen liegt.

Deswegen müssten sie auch eingebunden werden, wo immer es geht, sagen die Bürgermeister der Städte Wiesbaden und Taunusstein. Denn Helmut Müller (CDU) und sein Taunussteiner Kollege Michael Hofnagel (CDU) wollen gemeinsam auf dem Taunuskamm Windkraftanlagen errichten. „Wenn wir unsere ehrgeizigen Energieziele schaffen wollen, führt kein Weg an Windkraft vorbei“, sagte Müller. Bis 2020 will die Stadt laut Umweltdezernent Arno Goßmann (SPD) 20 Prozent des Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien decken – die Taunussteiner Pläne sehen ähnlich aus.

Konkret geht es um drei Gebiete an der Grenze der beiden Städte, an denen nach einer ersten Prüfung Windräder aufgestellt werden könnten: auf der Hohen Wurzel, am Eichelberg im Bereich Rentmauer und auf der Platte am Rassel. Weiteren Untersuchungen, zum Beispiel zur Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, stehen noch an.

Unabhängig davon sollen die Bürger nach Michael Hofnagels Worten mitreden dürfen. Denn die beschäftigen sich bereits intensiv mit dem Thema, wie die Fragerunde zeigte. Etwa wenn es darum geht, wie die Beteiligung denn überhaupt aussehen soll. „Vorstellbar ist zum Beispiel eine Umfrage durch ein Meinungsforschungsinstitut“, meint Hofnagel. Aber auch bei der Regionalkonferenz, die im März kommenden Jahres zum Thema stattfinden werde, sollen die Bürger Gehör finden.

Sind die Felle schon verteilt?

Anwohner interessiert der Einschnitt, den die Anlagen in ihrem Leben bedeuten werden. Ob gesundheitliche Risiken bekannt sind, will etwa ein Zuhörer wissen. Diese Frage hört Justus Brans vom Landesministerium für Umwelt nach eigenem Bekunden immer wieder. „Sie können sicher sein, dass solche Aspekte geprüft werden, bevor wir die Anlagen bauen“, antwortet er auf entsprechende Bedenken.

Durchs Schneechaos haben sich auch einige Bürger aus dem angrenzenden Niedernhausen gekämpft. Sie befürchten, dass Wiesbaden und Taunusstein die Anlagen an der gemeinsamen Grenze, sozusagen vor Niedernhausener Nase aufstellen, die Menschen dort aber nichts vom Geldsegen haben werden. „Wir haben das Gefühl, dass die Felle schon verteilt sind“, sagt Georg Schmidt aus Niedernhausen. Hofnagel widerspricht: Alle umliegenden Städte habe er vor einem Jahr zum Mittun aufgefordert – nur Wiesbaden sei entscheidend mitgezogen. „Wenn aber noch jemand auf den Zug aufspringen möchte, werden wir ihm keine Steine in den Weg liegen.“

Die Wissbegier der Bürger ist groß, die Antworten nicht immer deutlich. Als sich die Besucher wieder talwärts durch den Schnee kämpfen, ist die Frage nach der Art der Bürgerbeteiligung beispielsweise nur halb beantwortet. Die Bürgermeister versprechen aber, dass jeder seine Ängste und Bedenken einbringen kann – vorausgesetzt der Zeitrahmen bleibt gewahrt. Denn schon 2014 sollen sich auf dem Taunuskamm die ersten Räder drehen.

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