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Die Deutsche Klinik für Diagnostik Kündigungswelle an der DKD

Die Rhön-Klinik entlässt zum Monatsende 20 Beschäftigte, der Betriebsrat fühlt sich überrumpelt.

20.02.2013 21:58
Die Deutsche Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. Foto: dpa

Nach den Vorwürfen von Lohndumping und des Missbrauchs von Leiharbeitern an den teilprivatisierten Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) rumort es nun auch an dem zweiten Krankenhaus der Rhön Klinikum AG: Die Deutsche Klinik für Diagnostik (DKD), die dem privaten Klinikkonzern komplett gehört, entlässt 22 der rund 520 Mitarbeiter, und zwar bereits zum Monatsende.

Drei Abteilungen – EDV, Finanz- und Rechnungswesen, Leistungsabrechnung – werden nach Angaben der DKD-Betriebsratsvorsitzenden Margit Rehor zum 28. Februar aufgelöst. Deren Arbeit soll künftig in den HSK erledigt werden. Das Pikante: Der Betriebsrat erfuhr davon erst am Montag, am Rande eines Gesprächs, in dem es um den von Rhön geplanten Gesundheitscampus und die Verlagerung der DKD auf den Freudenberg zur HSK ging.

Anschließend habe die Geschäftsführung die betroffenen Kollegen – darunter eine alleinerziehende Mutter und Angestellte mit über 40-jährige Betriebszugehörigkeit – informiert, sagte Rehor am Dienstag, noch immer fassungslos. Abfindungen oder ein Sozialplan seien laut Rehor nicht vorgesehen, denn durch die Schließung ganzer Abteilungen seien betriebsbedingte Kündigungen rechtlich legitim. „Wir können das nur schlucken.“ Ein Sozialplan sei erst nötig, wenn mindestens 15 Prozent der Belegschaft entlassen würden.

DKD-Geschäftsführerin Beate Jörißen sagte, der Zeitpunkt für die Abteilungsschließungen sei noch offen. Der Stellenabbau solle „möglichst sozialverträglich erfolgen“. Zu Details äußerte sich Jörißen nicht. Auf die Frage, ob Abfindungen vorgesehen seien, sagte sie: „Dies bleibt den Gesprächen mit den Mitarbeitern vorbehalten.“ Vorwürfe der Überrumpelung weist sie zurück: „Das schriftliche Anhörungsverfahren des Betriebsrats ist ordnungsgemäß am 19. Februar eingeleitet worden.“

Abbau scheibchenweise

Für Rehor ist mit dieser Kündigungswelle klar: Die bereits 1989 von Rhön übernommene DKD zahle den Preis für den Teilverkauf der hoch verschuldeten HSK an Rhön vor einem Jahr. Denn laut Konsortialvertrag genießen die HSK-Beschäftigten bis 2015 Kündigungsschutz. Hier werden derweil laut Verdi befristete Verträge vor allem für Küchenhilfen und Putzfrauen nicht verlängert – die Mitarbeiter machen aber als Leiharbeiter ihre Arbeit weiter, nur für weniger Lohn.

Der von Rhön gestellte HSK-Geschäftsführer André Eydt begründete die Kündigungen mit einer „stärkeren Kooperation in den Verwaltungsbereichen“ von DKD und HSK. „Durch eine teilweise Zusammenlegung sich überschneidender Verwaltungsfunktionen können wir zentraler organisieren und Kosten reduzieren.“ Auf dem Freudenberg will Rhön nicht nur die HSK, sondern auch die DKD bis 2018 neu bauen, beide Kliniken aber als eigenständige Marken erhalten.

Betriebsrätin Rehor befürchtet nun, dass der Stellenabbau an den DKD „scheibchenweise“ weitergehe und es als nächstes Personalabteilung, Materialwirtschaft, Patientenanmeldung, Rezeption und Haustechnik treffe. (byb.)

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