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Denkmalschutz Fachwerk Wie ein Überraschungsei

Regina und Reinhard Graminski haben ihr Fachwerkhaus ausgezeichnet restauriert.

In der schmucken Küche: Regina und Reinhard Graminski. Foto: Oeser (2)

Es ist ein bisschen wie beim Überraschungsei: Man kauft es, reißt die Verpackung auf, isst die Schokolade ab und hofft auf einen kleinen Schatz. Ist keine Plastik-Figur in der gelben Hülle, ist die Enttäuschung manchmal groß. Oder man ist froh, etwas ganz anderes, Unerwartetes gefunden zu haben.

So ähnlich muss man sich den Hauskauf und Umbau von Regina und Reinhard Graminski aus Heßloch vorstellen. Die beiden erhielten jetzt für ihr Engagement den hessischen Denkmalschutzpreis. Für die Reparatur und Instandsetzung eines der ältesten Fachwerkhäuser in Wiesbaden.

2006 hatten die beiden das alte Gebäude auf der anderen Straßenseite gekauft. Weil sie schon immer mal ein altes Fachwerkgebäude restaurieren wollten. Weil sie Angst hatten, dass das schöne Grundstück gegenüber verbaut und verschandelt werden könnte. Und weil ihnen bei ihrem Domizil bislang ein Garten und eine Terrasse fehlten.

Der Clou: Vom schönen Fachwerk war damals noch nichts zu sehen. Zentimeterdick waren die Holzbalken unter dem Putz verborgen. Erst als das Paar und einige Helfer die Schichten abtrugen, kamen die Hölzer zum Vorschein. Und die Graminskis erschraken: Der gesamte untere Teil der Balken war morsch und verfault. Die Feuchtigkeit hatte ihnen stark zugesetzt. „Manch ein Nachbar dachte sogar, das Gebäude würde zusammenstürzen“, sagt der 62-jährige Meteorologe.

Der Enthusiasmus der Wahl-Wiesbadener, die 1974 von Hannover in die hessische Landeshauptstadt gezogen waren, erlitt einen kleinen Dämpfer. Doch Architekt Stephan Dreier beruhigte: „So schnell stürzt ein Fachwerkbau nicht ein.“ So machten sich die Graminskis weiter ans Werk. Stück für Stück stellten sie das schmucke Gebäude wieder her. So, wie es früher einmal war. Der Eingang mit dem stattlichen Holztor wurde wieder in die Mitte gesetzt, die Räume wurden wieder so eingeteilt wie sie ursprünglich waren – eine Wahnsinns-Arbeit. Und nicht ganz billig dazu.

Wie viel sie für ihren Traum ausgegeben haben, verraten die beiden nicht. „Wir wollen ja niemanden von einem solchen Vorhaben abschrecken“, sagt Regina Graminski, die eigentlich als Lehrerin arbeitet.

Fördergeld haben sie jedoch erhalten: zum einen von der Erich-Haub-Zais-Stiftung für Denkmalpflege und zum anderen von der Landesdenkmalpflege Hessen. Doch der Löwenanteil stammte aus der eigenen Tasche.

Geht man jetzt durch die Räume des „kleinen Hexenhäuschens“, wie Regina Graminski (59) das Gebäude nennt, kann man gut verstehen, warum die beiden diese Strapazen auf sich genommen haben. Gemütlich sieht es in dem etwa 90 Quadratmeter großen Haus aus. „Fachwerkhäuser strahlen Ruhe und Harmonie aus“, sagt Reinhard Graminski.

Und es riecht nach Geschichte. „Das Haus besteht aus zwei Teilen. Der alte wurde etwa 1720 gebaut. Zum Teil wurden sogar Hölzer von 1602 verwendet. Der neue Teil entstand etwa 100 Jahre später“, sagt der 62-Jährige. An manchen Ecken schimmert die Geschichte sogar durch: Einen kleinen Streifen zwischen zwei Balken haben die Graminskis so gelassen, wie er ursprünglich war: grau, unruhig. Und auch die Bruchsteinwand im Eingangsbereich haben sie gelassen. Oder den alten großen Nagel im Obergeschoss.

Ob sie irgendwann einmal in ihr restauriertes Häuschen ziehen werden, wissen Regina und Reinhard Graminski noch nicht so genau. Derzeit wohnt ein guter Freund der beiden in einem der Zimmer. Manchmal übernachten auch die Kinder in dem Haus, wenn sie zu Besuch bei den Eltern in Heßloch sind. Aber als Ferienhaus wollen sie das Gebäude nicht vermieten: „Wir wollen schließlich die Terrasse und den Garten nutzen.“

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