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Café Klatsch in Wiesbaden Café Klatsch sucht Spender

Der Verein „Linksroom“ will das Café Klatsch retten. Es werden weitere Spender gesucht. Ziel ist die Immobilie zu kaufen. Bisher ist bereits ein Drittel des benötigten Geldes da.

23.10.2015 22:11
Bardo Faust
Bunt, alternativ, links: Das „Klatsch“ im Rheingauviertel ist inzwischen Kult. Foto: Michael Schick

Etwa 270 000 Euro werden benötigt, um das Café Klatsch zu retten. Fast ein Drittel ist schon da, „den Rest schaffen wir auch noch“, sagte Dennis Firmansyah, einer der Sprecher des Vereins „Linksroom“, der sich die Klatsch-Rettung auf die Fahne geschrieben hat. Der bisherige Besitzer will die Immobilie verkaufen. Linksroom wurde im August von Freunden und Mitarbeitern eigens gegründet, um die linksalternative Szenekneipe selbst zu kaufen und zu erhalten. Eine Spendenaktion soll nun helfen, die Kasse zu füllen.

Das Café Klatsch ist eine Institution in Wiesbaden und ist komplett ohne Hierarchien und Chefs organisiert. Geführt wird das Café von einem Kollektiv aus 13 bis 20 Menschen, die in einem wöchentlich tagenden Plenum festlegen wo es langgeht – sowohl geschäftlich, als auch inhaltlich: Veranstaltungen werden geplant, Löhne festgelegt und über eventuelle Gewinne entschieden, sagte Firmansyah, der auch einer der Kollektivisten ist.

So zahle man einerseits gute Löhne, wolle faire und ökologische Produkte anbieten, aber auch keine allzu hohen Preise verlangen, „damit die ärmeren Menschen auch zu uns kommen können.“ Eine nicht einfache Aufgabe. Und wenn’s passt, wird auch noch Geld gespendet.

Kommunikation und Informationsaustausch

Über den normalen Cafébetrieb hinaus versteht sich das Klatsch als ein offener Raum für Begegnungen, Kommunikation, Informationsaustausch und unterschiedliche politische und kulturelle Veranstaltungen. Dazu steht das Café auch anderen systemkritischen und linken Gruppen offen. „Wir möchten einen Raum schaffen – frei von rechtem Gedankengut, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie – der allen Menschen offen steht und in dem sich alle wohl fühlen.“

Laut Firmannsyah funktioniert das auch nach 31 Jahren immer noch gut: „Zu uns kommen Menschen aus allen Generationen, auch viele Familien mit Kindern sind beispielsweise bei unserem Brunch am Wochenende da.“ Für viele Besucher und auch Kollektivmitglieder sei das Café Klatsch eine Art Heimat. So sei einer der Betreiber fast von Anfang an dabei, andere schon seit mehr als zehn Jahren.

Sollte das Klatsch nun auf dem Immobilienmarkt frei veräußert werden, fürchten die Macher, zum Spekulationsobjekt zu werden. Deshalb suchten sie direkt nachdem die Verkaufsabsichten bekannt wurden das Gespräch mit dem Besitzer. Es wurde ein Kaufpreis von 250 000 Euro vereinbart. „Rund 20 000 Euro brauchen wir noch für Notarkosten und zum Beispiel die Grunderwerbssteuer.“

Kein Bankdarlehen

Das Ziel von Linksroom ist dabei, ohne Bankdarlehen auszukommen. Das sei nur im Notfall eine Option. Vielmehr soll das Geld durch Privatdarlehen und Spenden aufkommen. Das mit den Darlehen läuft schon ganz gut, bei den Spenden tröpfelt es noch ein wenig: „Wir haben deshalb die Spendenakktion ,500x500 Euro‘ ins Leben gerufen“, sagte der Vereinssprecher. Ziel ist, dass am Ende möglichst viele Kleinspender zum Erhalt des Café Klatsch beitragen.

Bei seiner Rettungsaktion steht Linksroom übrigens nicht alleine da: „Wir bekommen viel Unterstützung aus der Wiesbadener Kultur und Politik“, sagte Firmansyah. Das Café Klatsch werde auf vielen Ebenen als wichtiger Bestandteil der Kultur in der Stadt angesehen. Auch andere Initiativen würden sich daher mit um die Rettung bemühen. So gibt es in der Kreativfabrik am 21. November eine Solidaritätsparty, deren Einnahmen komplett in den Spendentopf gehen. Zudem lädt der Schlachthof am 29. Dezember ins Kesselhaus. Auch dabei wird Geld gesammelt.

Wenn der Immobilienkauf schließlich über die Bühne ist, wird Linksroom das Klatsch an das Kollektiv vermieten. „Ich denke, dass wir die Darlehen in 20 bis 30 Jahren zurückgezahlt haben“, sagte Firmansyah. Der Verein will zudem die politische Debatte fördern. „Wir wollen Impulse setzen“, sagt er. Ziel sei es, der Gentrifizierung etwas entgegensetzen. „Die Stadt soll wieder den Leuten gehören, die nicht reinpassen in die bürgerliche Gesellschaft.“

Eine Infoveranstaltung zur Spendenaktion ist für Montag, 26. Oktober, 20 Uhr, im Café Klatsch geplant.

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