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Biebrich Filmdreh zwischen Wüste und Rhein

In Biebrich stehen Mexikaner und Deutsche für den Spielfilm „Grüß Gott, Señor Ramón“ vor der Kamera.

09.03.2013 21:34
Jana Kinne
Am Set: Darsteller Kristyan Ferrer (links) und der Regisseur. Foto: M. Müller

"Noch einmal – otra vez“, heißt es nur allzu oft am Drehort in Biebrich. Mit viel Liebe zum Detail wird dort „Grüß Gott, Señor Ramón“ gedreht. Die deutsch-mexikanische Koproduktion von Regisseur Jorge Ramírez-Suárez bringt eine 38-köpfige Crew aus zehn Nationen an den Drehorten Wiesbaden und Durango (Mexiko) zusammen.

Regisseur Ramírez-Suárez lebt in Taunusstein. So kam er darauf, den Film, den er mit seiner eigenen Produktionsfirma Beanca Films produziert, ausgerechnet in der Kurstadt zu drehen. „Wiesbaden ist typisch deutsch, sehr hübsch und am Rhein gelegen“, fasst Ramírez-Suárez die Vorteile des Drehorts zusammen. Außerdem böte die Stadt am Wasser den perfekten Kontrast zu der Dürre Mexikos.

In Durango, Nordmexiko, beginnt die Geschichte von „Grüß Gott, Señor Ramón“. Die wenigen Autos, die die aus Holz und Blech gezimmerten Häuser des Dörfchens passieren, wirbeln Staub auf. Es gibt nichts hier: Keine Arbeit, keine Hoffnung, nur Hitze und Staub. Ramón (Kristyan Ferrer) will weg, auswandern in die USA. Fünfmal versucht er die Grenze zu passieren, fünfmal vergebens. Also fliegt er nach Deutschland, um seine Tante zu besuchen, die in Wiesbaden lebt. Doch die ist verstorben und Ramón landet erst mal auf der Straße, bis er die ältere Dame Ruth (Ingeborg Schöner) kennen lernt, die ihm hilft und ihn in ihrer Biebricher Wohnung aufnimmt.

„Der Film zeigt eine Freundschaft, die über Sprach-, Alters- und Kulturgrenzen hinweg funktioniert“, erklärt Jorge Ramírez-Suárez. Ein anderes Bild habe er zeigen wollen von Deutschland, das so oft als unfreundlich und fremdenfeindlich gilt, sagt der Regisseur. Aber auch das Bild von Mexiko, das in Nachrichten und bekannten mexikanischen Produktionen wie „Amores Perros“ mit Gewalt, Korruption und Drogenkriminalität verbunden wird, solle durch den Film in Frage gestellt werden. „In Mexiko gibt es nicht nur Probleme, sondern auch viele gute Menschen“, sagt Ramírez-Suárez.

So ist es weniger das Problem des illegalen Aufenthalts von Ramón als die ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei ungleichen Charakteren, die den Mittelpunkt der Geschichte bildet. Ingeborg Schöner gewinnt durch den Mexikaner neue Lebensfreude, tanzt mit ihm Merengue und Salsa. Kristyan Ferrer, der in seiner Heimat ein Star ist und in Deutschland durch seine Rolle in „Sin Nombre“ bekannt wurde, profitiert von der Güte und Lebensweisheit der älteren Frau.

Doch ganz ohne Probleme kommt auch „Grüß Gott Señor Ramón“ nicht aus. So begegnen Ramón nicht nur wohlwollende Zeitgenossen. Nachbar Schneider (Karl Friedrich) will den jungen Mexikaner am liebsten aus dem Biebricher Haus und aus Deutschland vertreiben und schafft das am Ende auch.

Finanzielle Unterstützung erfährt der Film, der in Mexiko schon Twenty Century Fox als Verleiher gewinnen konnte, durch die mexikanische Filmförderung. Deshalb entstand auch ein Großteil der Szenen in Mexiko. „Wir hatten die Auflage möglichst viel im Land zu drehen, um die Wirtschaft vor Ort zu unterstützen“, erzählt Produktionsleiter Julien Prevost von Beanca Films.

In Deutschland war Thierry Potok von MPN Cologne Film 3 Koproduzent. Ein deutscher Verleih muss jedoch noch gefunden werden. Ramírez-Suárez hofft, dass er den Film auch in Deutschland in die Kinos bringen kann. „Die Teilnahme an der Berlinale ist das große Ziel“, verrät er.

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