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Behinderte Stadt ohne Hindernisse

Mehr Ansagen an Haltestellen und ein Begleitservice sollen Behinderten den Alltag erleichtern - aber die Landeshauptstadt will noch mehr: Systematisch soll Wiesbaden in allen Lebensbereichen Rücksicht nehmen auf die, die Rücksicht verdienen.

Am Luisenplatz gibt es bereits die automatische Ansage. Foto: Michael Schick

"Sie befinden sich am Luisenplatz – Linie 23 in drei Minuten“, ertönt die automatische Frauenstimme über den Köpfen der Wartenden. Dann zählt sie noch vier weitere Busse auf, die in den kommenden Minuten halten werden, um die Passagiere einzusammeln, und wünscht eine gute Fahrt. „Das ist ein toller Service. Die kleinen Buchstaben an der Tafel da oben kann ich nicht lesen“, sagt die Seniorin, die schwer bepackt auf den Bus wartet.

An einigen Bushaltestellen der Landeshauptstadt gibt es die automatische Ansage bereits, doch eben nicht an allen. „Zum Beispiel am Hauptbahnhof fehlt solch ein Helfer einfach“, sagt Joachim Mast, Vorsitzender des Arbeitskreises der Wiesbadener Behindertenorganisationen.

"Noch einiges zu tun“

Mast, selbst stark sehbehindert, weiß um die Probleme, die Wiesbadener mit Handicap im Alltag oft meistern müssen. Bei ihm laufen die Beschwerden ein. Die Meldungen, wenn die Klappe im Bus für einen Rollstuhlfahrer nicht ausgeklappt wurde oder die Hinweise auf die Pflastersteine, die Rollstuhlfahrern die Fahrt durch die Stadt erschweren. „Es gibt noch einiges zu tun“, sagt Mast.

Er ist froh, dass das gerade in diesem Jahr geschehen wird. Nicht nur, dass die Landeshauptstadt am 1. Februar offiziell zur Modellregion für Inklusion wird. Am Montag stellten Sozialdezernent Axel Imholz (SPD) und Johannes Weber vom Amt für Soziale Arbeit zudem den Aktionsplan zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen vor.

Der erste Teil wurde bereits vom Magistrat beschlossen, jetzt müssen die Stadtverordneten noch darüber beschließen. „Und dann kann es – nicht losgehen, sondern weitergehen“, sagt Imholz.

Neue Wohnungsbörse

Seit vielen Jahren ist die Stadt darum bemüht, Probleme für Menschen mit Handicap aus dem Weg zu räumen. Mittlerweile gibt es barrierefreie Bescheide. Schriftstücke, die als CD erstellt werden können, Aufzüge in öffentlichen Einrichtungen zum Beispiel in der Villa Schnitzler. „Es gab vielfältige Einzelmaßnahmen, die alle gut vorangetrieben wurden. Aber sie waren nicht aus einem Guss“, sagt Johannes Weber. Durch einen Aktionsplan würden sie systematisiert und durch den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Verbindlichkeit hergestellt.

Konkret will die Stadt unter anderem eine Wohnungsbörse für barrierefreie Wohnungen aufbauen und einen Begleitservice für Menschen mit Handicap in den Bussen anregen. Und vor allem die Kommunikation und Information verbessern. „Dazu gehört es auch, kurze Sätze zu bilden, Broschüren mit vielen Bildern zu versehen, keine Fremdwörter zu benutzen“, sagt Weber. Auch sollen weitere automatische Ansagen an Wiesbadens Bushaltestellen eingerichtet werden, damit die Frauenstimme überall in der Landeshauptstadt den Passagieren eine gute Fahrt wünschen kann.

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