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Bahnhof Wiesbaden Der rote Knopf für Kino im Kopf

In der „hyperMOODbox“ können Fahrgäste beim Warten am Bahnhof in Wiesbaden ihrer Stimmung auf die Spur kommen.

Projekt „hyperMOODbox“, Wiesbadener Hauptbahnhof
Besinnungsort für Reize und Gefühle: die „hyperMOODbox“ im Wiesbadener Hauptbahnhof. Foto: Michael Schick

Hauptbahnhof Vorhalle, später Vormittag. Es ist eher still als hektisch laut in der zentralen Mobilstation der Landeshauptstadt. Nur wenige Menschen bewegen sich scheinbar stressfrei durch den offenen Raum. Die Abfahrtszeiten der Züge werden ohne Geratter digital angezeigt, Rollkoffer machen kaum Geräusche auf den Granitplatten. „Viel Glück“, ruft ein Mädchen der zur S-Bahn rennenden Freundin nach, Sekunden später ist das Rauschen der abfahrenden S9 zu hören, das Zetern einer Frau, die wohl zu spät kam, im Hintergrund johlen ein paar Jugendliche für ein paar Sekunden.

Die Klangkulisse eines Bahnhofs ist vielfältig, sie entsteht durch die unterschiedliche Nutzung des Ortes. Als Ankunfts- oder Abfahrtsort, als Treffpunkt, als Wartezone. Unsere mentale und körperliche Befindlichkeit wird durch diesen Brei an Geräuschen, durch optische Wahrnehmung und je nach Gemüt Bereicherung oder Belästigung bisweilen stark beeinflusst. Dies war der Ausgangspunkt für die drei Künstler Annesley Black, Marc Behrens und Julia Mihály bei der Konstruktion ihrer „hyperMOODbox“ getauften Installation. Noch bis Sonntag steht die Neun-Quadratmeter-Box am Ausgang West Richtung Biebricher Allee und Lilien-Carré.

Die Wartezeit im Transitraum Bahnhof, so die Idee, soll zum „interaktiven Moment“ werden. Aus aufgezeichneten Geräuschen, Bildern und Farben des Bahnhofs kann sich jeder Besucher der Stimmungsbox seinen persönlichen Film aussuchen, der gerade zu seiner aktuellen Gefühlslage passt. „Hallo, ich erfinde keine Emotionen, aber ich wurde so entworfen, dass ich auf deine reagieren kann.“ So wird man in der lichten Box mit schrägen Wänden und bequemen Sitzpolstern in Textform auf einem der vier Bildschirme begrüßt, wenn man sich einen Kopfhörer überstülpt und eines der sechs Programme auswählt. „Fühlst du dich glücklich, gelangweilt oder sexy? Spüre deine Stimmung und lass dich von ihr führen.“ Heißt, drücke den Knopf, der mit dem für dich gerade passenden Emoji gekennzeichnet ist.

Draußen geht das richtige Bahnhofsleben mit all seinen Geräuschen und Bildern weiter, drinnen schaltet sich das Kopfkino auf bis zu vier Bild- und Tonebenen ein. Zeigt tanzende Frauen mit einem Luftballon zwischen den Köpfen in gelöster Stimmung, zeigt Einsamkeit und schöne Begegnungen in den weiten Räumen draußen und drinnen am Frankfurter und Darmstädter Hauptbahnhof, wo die „hyperMOODbox“ auch schon stand. Vorsicht! Beim Druck auf den rot leuchtenden Knopf mit Stress-Emoji könnte Alarm im Kopf entstehen. Mit interaktiver Entspannung ist es dann vorbei.

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