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Auf eigenen Beinen

Rosa Romero kann dank des Vereins Berufswege für Frauen eine Ballettschule gründen

11.02.2012 13:43
Mirjam Ulrich
Kinder lernen bei Rosa Romero, sich im Tanz auszudrücken. Foto: R. Hoyer

Die rosafarbenen Tutus flattern zur Klaviermusik. Die vierjährige Mascha tanzt einen Schmetterling, die siebenjährige Mascha eine Zahnfee. Die vier anderen Mädchen und ihre Ballettlehrerin Rosa Romero sollen erraten, was die beiden darstellen. Rosa Romero lässt alle ihre kleinen Schülerinnen diese Übung machen, damit sie lernen, sich auszudrücken. „Mir kommt es darauf an, die Kinder zu unterstützen, ihren Weg zu gehen“, sagt die ehemalige Primaballerina. „Ich will keine Maschinen haben.“

16 Jahre lang tanzte sie als Solistin auf internationalen Bühnen. Am Staatstheater Wiesbaden war die gebürtige Mexikanerin von 1997 bis 2008 als Solotänzerin im damals noch klassischen Ballett engagiert. Das Publikum kennt sie beispielsweise als „Giselle“, aus dem „Nussknacker“ oder „Schwanensee“. Vor einem halben Jahr gründete Rosa Romero ihr eigenes Tanzstudio: die Dance Academy Wiesbaden.

Nach dem Weggang des damaligen Ballettdirektors Ben van Cauwenbergh vom Staatstheater endete dort auch ihr Engagement. Rosa Romero absolvierte daraufhin eine zweijährige kaufmännische Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin. Doch spürte sie, dass ihr etwas fehlte: „Ballett ist meine Leidenschaft“, sagt die 36-Jährige. „Ich kann nicht ohne das, was ich liebe, leben.“

Eine Freundin erzählte ihr vom Verein „Berufswege für Frauen“. Gemeinsam nahmen sie dort an einem Seminar zum Thema Existenzgründung teil. Dabei lernte sie auch das Projekt „Social Business Women“ des Vereins kennen. Das Projekt vergibt langfristige Kredite zwischen 5000 und 10000 Euro an Frauen, um Existenzgründungen zu finanzieren.

Das Geld stammt von Paten und ist innerhalb von zehn Jahren zinslos zurückzuzahlen. Das Konzept lehnt sich an die Idee der Mikrokredite des Wirtschaftswissenschaftlers Muhammad Yunus aus Bangladesch an, der dafür 2006 den Friedensnobelpreis erhielt.

Auch in Wiesbaden gehen die Kredite an Frauen, die bei einer Bank keine Finanzierung bekämen, da sie keine Sicherheiten bieten können.

Dazu zählen etwa Migrantinnen, deren berufliche Qualifikationen hierzulande oft nicht anerkannt werden, aber auch Frauen über 50 Jahre, die schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Andere befinden sich in schwierigen Lebenslagen, als Alleinerziehende oder Hartz-IV-Empfängerinnen.

Um den Kredit von Social Business Women zu bekommen, musste Rosa Romero ihre Idee vor einer Jury präsentieren. „Wir Jury-Mitglieder kennen den regionalen Markt und können abschätzen, ob es tatsächlich noch einen Schokoladenladen braucht“, sagt die Unternehmensberaterin Kerstin Rücker. Die Jury habe daher in drei Fällen den Kredit abgelehnt.

Rosa Romero gehört zu den fünf Frauen, die sich bereits selbstständig gemacht haben. Weitere vier befinden sich laut Projektmanagerin Jördis Flöther derzeit im Prozess.

Im Unterschied zu anderen Beratungen für Existenzgründer begleitet der Verein und das Projekt Social Business Women die Frauen auch noch, nachdem sie sich selbstständig gemacht haben. Es gibt ein Mentorinnen-Programm, Einzelcoaching, „Erfolgsteams“, in denen sich die Gründerinnen vernetzen, sowie Seminare und Workshops.

„Nach der Gründung gibt es schwierige Phasen“, sagt Jördis Flöther. Wenn etwa der Umsatz niedriger sei, als geplant. Oft wüssten die Frauen auch nicht, sich zu verkaufen und es fehle ihnen an Verhandlungsgeschick. Ein Fünftel der Kreditsumme werde daher in das Coaching investiert.

„Wenn ich mein Tanzstudio allein gegründet hätte, hätte ich eine Reihe Dinge gemacht, die zu Problemen geführt hätten“, sagt Rosa Romero. „Außerdem ist die moralische Unterstützung so wichtig.“

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