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Apothekergarten Wiesbaden Grüne Gesundheitstipps

Beim Apothekergartenfest informiert Detlef Weidemann über die Wirkung von Arzneipflanzen. Kamille, Pfefferminze und Baldrian stellte der Apotheker vor. Besucher Rudolph Müller sah bei der Führung durch den Garten das erste Mal Leinkraut.

16.07.2012 22:58
Elisabeth Böker
Viele Besucher scharen sich um Detlef Weidemann. Denn er weiht in die Heilkräfte der Arzneipflanzen ein. Foto: Rolf Oeser

Bestes Schmerzlinderungsmittel ist die Silberweide. Genauer gesagt, die Rinde davon. Denn die enthält den Wirkstoff Salicin. Wer am Sonntag mit Detlef Weidemann durch den Apothekergarten Wiesbaden spazierte, bekam neben dem Hinweis viele weitere nützliche Informationen über Arzneipflanzen mit auf den Weg. Denn der Apothekergarten Wiesbaden öffnete zum jährlichen Sommerfest die Tore. Arzneimittel aus nachwachsenden Rohstoffen, die in Deutschland wachsen, stellt Weidemann bei einer Führung vor.

Eine große Schar Menschen hat sich um ihn eingefunden und bestaunen gerade die Purpur-Sonnenhüte. Aus derselben Familie, also von den Korbblütlern, stammt die häufigste deutsche Arzneipflanze, sagt Weidemann. Die Kamille ist es. „Auf 1000 Hektar wird sie angebaut, verwendet für die Hemmung von Entzündungen und zur Krampflösung.“

Leinkraut ist vielfältig verwendbar

Am nächsten Beet pflückt Weidemann ein Blatt von einer dunkelgrünen Pflanze. Ein starker Mentholgeruch weht durch die Reihen. Spätestens jetzt weiß jeder, welche Pflanze es ist: Die Pfefferminze. Das zweit häufigste Arzneimittel in Deutschland wirke verdauungsfördernd, erklärt der Apotheker.

„Den Hut zücke ich vor dem Leinkraut“, sagt Weidemann, während er zu der erst kürzlich verblühten Pflanze geht. In den Ursprungszeiten des Menschen, also vor gut 10.000 Jahren, diente die Pflanze unseren Vorfahren bereits nachweislich. „Vom Leinkraut kann man alles nutzen“, fährt Weidemann fort. Aus den Stängeln werde Kleidung hergestellt, Leinöl dient Malern und bei Verdauungsbeschwerden wirken Leinsamen. „Nach dem Essen von Leinsamen ist es wichtig viel zu trinken und dann abzuwarten“, verrät der Apotheker.

„Die Wirkung von Leinsamen war mir bekannt“, sagt Besucher des Festes Rudolph Müller. Die Pflanze aber habe er heute zum ersten Mal gesehen. Auch neu war ihm, dass die Wurzel von Baldrian die beruhigende Wirkung hervorrufe.

Silberweidenrinde statt Aspirin

Diese Aha-Effekte möchten die Organisatoren des Festes, die Interessengemeinschaft der Apotheker Hessen-Nassau sowie die Freunde des Apothekergartens Wiesbaden erzielen. „Zudem hoffen wir, dass wir bei den Besuchern ein Qualitätsbewusstsein schärfen“, sagt Detlef Weidemann. „Pflanzliche Arzneimittel müssen einer hohen Qualität genügen, damit sie ihre Wirkung erzielen.“ Schließlich wollen sie die Anlage selbst bekannter machen. In der Aukammallee mit Blick auf die Stadt und den Taunus, liegt der etwa 5500 Quadratmeter große Garten. 200 Heilpflanzen gegliedert auf 28 Beete werden vorgestellt.

Zum Schluss seiner Führung verrät Weidemann noch: Seit 130 Jahren wird Salicin eigentlich nicht mehr aus der Rinde der Silberweide gewonnen. Denn Felix Hoffmann erfand das Aspirin. Jüngst würde man aber versuchen, verstärkt auf die Silberweide zurückzukommen. Denn es ist nachgewiesen worden, dass die chemische Variante nicht gut verdaulich sei. Ein Beweis für den Apotheker, dass die Natur nicht gänzlich durch Chemie zu ersetzen ist.

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