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Ärger um Bundesfamilienministerin Post von Kristina Schröder

Wiesbadener Vereine werfen Bundesministerin Kristina Schröder parteipolitische Einflussnahme vor. In einem Brief fordert sie einen Ehrenkodex gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt - abgeschickt von der CDU.

21.12.2010 14:41
Sabine Müller
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Foto: dpa

Vorstandsmitglieder Wiesbadener Sportvereine und Institutionen werfen der Bundestagsabgeordneten und Familienministerin Kristina Schröder (CDU) „parteipolitisches Einwirken“ vor. Anlass ist ein Schreiben der Ministerin an 300 Vereine und Institutionen in der Stadt, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

Darin fordert Schröder zusammen mit dem städtischen Behindertensportbeauftragten Lothar Herborn die Vorstände auf, einen „Ehrenkodex gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ zu unterzeichnen. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Übungsleiter und Betreuer solle ein Zeichen nach innen und außen setzen. Freigestempelt wurde der Infobrief im CDU-Dienstleistungszentrum Hessen.

Ein „rein parteipolitisch motiviertes Schreiben“ sei das, schimpft Gerhard Strauch, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Schwimmvereins Delphin. Es könne nicht sein, dass sich jede politische Partei einen eigenen Ehrenkodex-Vorschlag ausdenke und diesen dann an Vereine weiterleite. Das sei Sache des Landessportbundes oder des Sportkreises.

Strauchs Meinung teilen unter anderem der Vorsitzende des Radsportvereins Wiesbaden, der die CDU-Infopost erst gar nicht öffnete und die DLRG Kreisgruppe Biebrich. Auch der Vorsitzende des Sportkreises, Helmut Fritz, erkennt in Schröders Schreiben „stark parteipolitische Züge“.

Im Büro der Wiesbadener Bundesministerin versteht man die ganze Aufregung nicht. Schröder habe lediglich einem Thema mehr Gehör verschaffen wollen, das bislang auf wenig Interesse seitens der Vereine gestoßen sei. Die Resonanz auf das Schreiben – sieben Vereine gaben bislang Rückmeldungen – sei durchweg positiv gewesen.

Das CDU-Dienstleistungszentrum Hessen habe den Versand der Infobriefe übernommen, da das Wiesbadener Büro Schröders so viel Post auf einmal nicht bewältigen könne, so die Sprecherin weiter. Bezahlt werde die Aktion aber aus dem Budget der Bundestagsabgeordneten.

Geld, dass sich Kristina Schröder hätte sparen können. Findet zumindest Ralf Koch, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Hessen (LSB). Schröders Ehrenkodex gegen Gewalt und Missbrauch sei „überflüssig“ – zumindest, was die im LSB organisierten Sportvereine betreffe. Der Deutsche Sportbund habe bereits 1997 einen Ehrenkodex für hauptamtliche Trainerinnen und Trainer formuliert.

Zudem halte die Sportjugend Hessen eine Fülle von Materialien zum Thema Missbrauch bereit. Alle Multiplikatoren seien über das Thema aufgeklärt, es gebe Berater als Ansprechpartner sowie zwei eigens dafür abgestellte Referentinnen. Er habe gerade seinerseits einen Infobrief an Schröder aufgesetzt, „damit auch die Familienministerin weiß, wie gut wir im Sport aufgestellt sind“, so Koch.

„Die Infobriefaktion hat mit Politik nichts zu tun“, weist Lothar Herborn, städtischer Beauftragter für Behindertensport, die Kritik zurück. Er habe die Aktion zusammen mit Schröder gestartet, weil er gehofft habe, dass die bekannte Politikerin dem sensiblen Thema „mehr Gewicht“ verleihe, sagt er. Der Ehrenkodex, der auf dem der Sportjugend Nordrhein-Westfalen basiere, stehe seit Mai auf der Homepage des Sportkreises, „wird aber kaum angeklickt“. Und zum Vortrag über Missbrauch und Gewalt auf Einladung des Sportkreises vor ein paar Wochen seien nur 25 der 240 Sportvereine in Wiesbaden erschienen. „Die Aktion sollte das Thema in die Vereine tragen“, verteidigt Herborn die Infobriefe. Mit der Kommunalwahl habe das alles nichts zu tun. Das sei ein Missverständnis.

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