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Wiesbaden Gefährdet Windkraft Grundwasser?

Schmieröle, Treibstoffe - der Bau und Betrieb von Windrädern könnte das Grundwasser gefährden. Hessenwasser empfiehlt daher eine gutachterliche Begleitung des Bauvorhabens, die sich mit dem Trinkwasserschutz beschäftigt.

Unter dem Grashügel ist ein riesiger Trinkwasserbehälter. Foto: Renate Hoyer

Die zehn auf dem Taunuskamm geplanten Windräder könnten während des Baus, aber auch des Betriebs, die Trinkwasserversorgung Wiesbadens gefährden. Diese theoretische Annahme bestätigte Hessenwasser auf Anfrage dieser Zeitung. Die Betreiberfirma für Gewinnungsanlagen und Transportleitungen sichert die Wasserversorgung von rund 50 Kommunen in Südhessen, darunter auch Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden.

Nach Angaben des Unternehmenssprechers Hubert Schreiber wäre es durchaus denkbar, dass Schmieröle oder Treibstoffe das Trinkwasser verseuchen, das derzeit von Hessenwasser auch unterhalb des Taunuskamms gefördert wird.

Laut Schreiber sehe Hessenwasser zwar eine prinzipielle Gefährdung durch die Windräder, sei bei der konkreten Standortplanung aber insofern beruhigt, dass diese Räder nur in der Wasserschutzzone III, einer schwachen Schutzzone, geplant seien. Das bedeutet, dass die Gefahr für das Grundwasser an diesen Stellen geringer als in strengeren Schutzzonen ist. Windräder könnten hier gebaut und betrieben werden.

Kontamination durch Schmieröle

Zuständig für die Ausweisungen der jeweiligen Schutzzonen ist das Regierungspräsidium, meist nach Rücksprache mit dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Ein von Taunusstein beauftragtes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die in den 60er und 70er Jahren vorgenommene Zuordnung dieser Schutzzonen nicht mehr dem heutigen Bedarf entspricht. Eigentlich, so die Gutachter, müsse die Schutzzone strenger gefasst und aus der Schutzzone III eine Schutzzone II werden. Für den Bau der Windräder nötige gravierende Veränderungen der Erdoberfläche seien in der Wasserschutzzone II streng verboten.

Hydrogeologe Bernd Leßmann erklärt hingegen, dass in beiden genannten Wasserschutzzonen eine Einzelfallprüfung des tatsächlichen Standorts und eine Ausnahmegenehmigung für den Bau erforderlich und möglich sei. „Wichtig ist in beiden Zonen die Beschaffenheit und Wasserdurchlässigkeit des Untergrunds“, so der zuständige Leiter des Dezernats Hydrogeologie und Grundwasser. Eine Tonschicht etwa sei wasserundurchlässig und als Standort besser geeignet als beispielsweise zerklüfteter Schiefer.

Hubert Schreiber betont, dass Hessenwasser keinen Einfluss auf die Ausweisung der Wasserschutzzonen hat. „Wir sind hier lediglich Betroffene“, so Schreiber, „und empfehlen eine gutachterliche Begleitung des Bauvorhabens, die sich mit dem Trinkwasserschutz beschäftigt“, sagt Schreiber. Die Ergebnisse sollten – wie andere ökologische Bedenken der Windrad-Gegner – in das Bundesimmissionsschutzverfahren (BimSch) einfließen.

Schutz des Trinkwassers besonders hohes Gut

In diesem BimSch-Verfahren wird seitens des Regierungspräsidiums und dessen Behörden für jeden einzelnen Standort genau geprüft, ob dort Windräder gefahrlos für Mensch und Umwelt gebaut und betrieben werden können. In diesem Verfahren kommt auch dem Grundwasserschutz eine besondere Bedeutung zu, weil das Trinkwasser ein besonders wertvolles Gut ist.

Die Gegner des Bauprojekts sammeln schon seit Monaten Gründe, warum auf dem Taunuskamm keine Windräder gebaut werden sollen. Zum Beispiel werden auch der Denkmalschutz, die Beeinträchtigung der Luftfahrt beim Anflug auf den Frankfurter Flughafen oder die Beeinflussung des Kranichzugs ins Feld geführt. All diese Einwände kommen im BimSch-Verfahren auf den Tisch.

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