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Zirkus Renz Friedberg Dritter Elefant bei Zirkus Renz gestorben

Erneut ist ein Elefant des Zirkus Renz gestorben. Das ruft Tierschützer auf den Plan. Sie fordern, den Zirkusbrüdern aus Ockstadt die Erlaubnis zu entziehen.

13.06.2013 11:15
Peter Hauff

Erneut ist ein Elefant des Zirkus Renz gestorben. Das ruft Tierschützer auf den Plan. Sie fordern, den Zirkusbrüdern aus Ockstadt die Erlaubnis zu entziehen.

Sie ertrank schon am Freitag in einem See in Narva, der drittgrößten Stadt Estlands. An ihrem Todestag spielte Elefantenkuh „Mädi“ vorher noch Zirkus, anschließend wurde sie ein paar Kilometer weiter auf eine Beach Party gescheucht. Dort sollte sich die ausgemergelte, 48-jährige Elefantin angeblich abkühlen. Vor den Augen ihres Halters, dem Reptilienzoo-Chef René Renz, brach Mädi zusammen.

Tierschützer hatten das Landratsamt in Friedberg und das für Tierschutz zuständige hessische Umweltministerium schon im Mai alarmiert. Für „Mädi“ sei die Reise lebensgefährlicher Stress, hieß es. Ungeachtet der Warnung musste die asiatische Elefantin für den Zirkus nach Narva reisen, angeblich ohne Wissen des Veterinäramtes. „Uns wurde erklärt, dass in Friedberg kein Elefant sei“, sagt Amtsleiter Rudolf Müller. Allerdings habe sich die Behörde telefonisch angemeldet, so dass René Renz seine frisch gekaufte Elefantin „in Ruhe verstecken konnte“, moniert die Organisation Pro Wildlife. Laut Elefantenexpertin Daniela Freyer hätte das Veterinäramt die Dickhäuterin schon im Mai beschlagnahmen müssen. „Herr Müller scheint persönlich Verbindungen zur Friedberger Zirkusfamilie zu haben“, glaubt die Pro-Wildlife-Sprecherin.

Dem Landratsamt und dem Ministerium hatte Pro Wildlife Beweise vorgelegt, dass René Renz die Behörden anlügt und „Mädi“ ohne Erlaubnis aus Ostholstein hergeholt hatte, für Zirkus-Auftritte in Estland. Ergebnis sei nun „der Tod eines weiteren Elefanten“, beschwert sich Madeleine Martin, Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen. Sie kämpfe schon seit 2003 für ein Verbot bestimmter Wildtiere in Zirkusaufführungen. Örtliche Veterinärämter seien ihr nicht unterstellt, betont sie. Auch aus ihrer Sicht muss Amtsleiter Müller jedoch gegen Elefantenhalter in Ockstadt vorgehen.

Veterinäramt verteidigt sich

„Wir lassen uns nicht vor den Karren irgendwelcher Organisationen spannen“, verteidigt sich der Leiter des Veterinäramts. Vor einem Jahr war Elefantendame Maya, die im Ockstädter Zirkus Universal Renz von Daniel Renz arbeitete, unter tragischen Umständen gestorben. Damals schon hatte ein anderer Tierschutzverband versucht, der Behörde in Friedberg wegen zu lascher Kontrollen einen Prozess zu machen. Im September 2012 stellte die Staatsanwalt ihre Ermittlungen ein. Elefantin Saida starb ebenfalls vor wenigen Monaten. Immer häufiger ärgert sich Müller nach eigenen Worten über „militante Aktionisten“, die im Befehlston und „ohne Sachwissen“ anriefen.

Als René Renz Mitte Mai die Tour nach Estland antrat, wussten Tierschützer von Pro Wildlife zumindest, dass der Krokodilhalter mit Mädi, die angeblich niemand je erblickte, nun aufbrechen würde.

Laut estnischen Medien und Tierschützern starb die Elefantin an Erschöpfung. Mehrere Augenzeugen erzählen von Fußtritten und Schlägen der Zirkusleute mit einem Elefantenhaken; offizielle Todesursachen wurden nicht festgestellt.

Auch die estnischen Behörden sahen laut Pro Wildlife „keine Beanstandung“ und gehen eher von einem unglücklichem Zufall aus. Mädis Betreuer, René Renz, ist zurzeit noch in Estland und war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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