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Wöllstadt Weniger Lärm und Abgase nach 26 Jahren

Die Ortsumgehung der Bundesstraße 3 von Ober- und Nieder-Wöllstadt ist für den Verkehr eröffnet worden.

Umgehungsstrasse
Nur bis gestern Nachmittag konnte die neue Ortsumgehung bei Wöllstadt noch als größter Radweg der Wetterau genutzt werden. Foto: Rolf Oeser

Das ist eine wirklich schöne Straße. Wir sind sie gestern mit dem Fahrrad noch einmal abgefahren, von vorn bis hinten“, erzählte die Frau gut gelaunt ihrer Runde. Eine Viertelstunde später ertönte ein Blasorchester als Vorhut der offiziellen Redner. Rund 26 Jahre mussten die Wöllstädter auf diesen Moment warten. Gestern ist die Ortsumgehung der Bundesstraße 3 von Ober- und Nieder-Wöllstadt für den Verkehr eröffnet worden. 

Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, verkündete, durch die beiden Ortsteile würden nun drei Viertel weniger Verkehr rollen, statt gut 28 000 Fahrzeuge am Tag nur noch höchstens 7800. Ganz fertig ist die Straße jedoch erst in einem Jahr. Es sind noch Arbeiten an Anschlussstellen zu erledigen. Lastwagen werden dann Wöllstadt voraussichtlich nicht mehr als Durchfahrt nutzen können. 

Landrat Joachim Arnold (SPD) und Bürgermeister Adrian Roskoni erinnerten an den langen Weg bis zum symbolischen Spatenstich im Jahr 2012. Hierbei wurde auch die treibende Rolle von Roskonis Amtsvorgänger Alfons Götz hervorgehoben. Noch im August 2011 richtete die Bürgerinitiative „Ortsumgehung Wöllstadt – Jetzt“ unter Beihilfe von Politikern aus Protest ein Frühstück auf der gesperrten Kreuzung B3 / B45 aus, weil es aus Berlin wieder mal hieß, es sei kein Geld für Wöllstadt vorhanden. Die B3-Anwohner in dem beiden Dörfern hätten vielleicht bis heute noch ihre mit Protestparolen beschriebenen Bettlaken an den Hausfassaden hängen, hätte der Bund den Straßenbauetat nicht aufgestockt.

Projekt hat über 50 Millionen Euro gekostet

Gut 52 Millionen Euro haben die neun Kilometer Umgehungsstraße mit zehn Brückenbauwerken gekostet. Der Abschnitt bildet einen weiteren Lückenschluss der bisherigen B3-Umgehung von Bad Nauheim bis Bad Vilbel. Laut Bomba stehen noch Streckenstücke bei Butzbach und Okarben aus, letzteres befinde sich bereits in Planung. Für die Wetterau ist die Bundesstraße 3 entscheidend und wichtig, mit dem Ausbau wird sie leistungsfähiger, bemerkte Bomba. 

Die neue Ortsumfahrung wird ebenso den künftigen Bewohnern des Wohnquartiers auf dem Gelände der ehemaligen Friedberger Kaserne Ray Barracks zugute kommen, meint Landrat Arnold. Die Konversionsfläche liegt in Sichtweite zur neuen B3-Strecke. Wöllstadt sieht sich nicht nur von Verkehrslärm, Lastwagen in den engen Ortsmitten und von Abgasen befreit. 

Umgestaltung der Ortskerne geplant

Die Gemeinde plant nun ihre Zukunft. „Vor zwei Jahren ist für den Rückbau der B3 in Nieder- und Ober-Wöllstadt ein Leitbild entwickelt worden“, sagte Roskoni der FR. In beiden Ortsteilen sollen Neubaugebiete mit zusammen rund 160 Grundstücken ausgewiesen werden. Die Gemeinde erhalte einen Supermarkt, einen Sportplatz, und das Gewerbegebiet könne jetzt auch vergrößert werden. 

Die Umgestaltung der beiden Ortskerne werde die größte Kraftanstrengung darstellen. „Wir wollen hierfür alle Chancen nutzen“, sagte Roskoni. Geld für den Wandel von einem Durchfahrts- zu einem wohnlichen Ort erhoffen sich die Wöllstädter aus dem Landesprogramm „Stadtumbau Hessen“. 

„Ihnen alle heute Abend einen guten Schlaf bei offenem Fenster“ wünschte auch die Landesministerin für Bundes- und EU-Angelegenheiten den rund 200 Zuschauern aus dem Ort. Man müsse sich vielleicht noch an die Ruhe gewöhnen, aber das werde nicht lange dauern, sagte Lucia Puttrich (CDU) scherzhaft. 

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